97. Jahrestagung der DOG 1999
V 117
POSTERIORE UVEITIS: SARKOIDOSE ODER TUBERKULOSE
T. E. Neß
Hintergrund: Anhand der Krankengeschichte von zwei Patienten soll die schwierige Differentialdiagnose zwischen Sarkoidose und Tuberkulose als Ursache einer posterioren Uveitis erläutert werden.
Fallberichte: Bei einer 56-jährigen Patientin bestanden beidseits ein Vorderkammerreizzustand, periphere chorioretinale Granulome, snow-ballartige Glaskörperinfiltrate und eine deutliche Exsudation aus peripheren, retinalen Gefässen in der Fluoreszenzangiographie. Das Angiotensin Converting Enzym (ACE) als Hinweis auf eine Sarkoidose war erhöht, der Tuberkulin Test dagegen war negativ. Pulmonal wurden ein Rundherd und zahlreiche kleinere Granulome nachgewiesen. Wir stellten die Verdachtsdiagnose einer Sarkoidose. Erstaunlicherweise liessen sich aber in der Biopsie des Lungenherdes mit der Ziehl-Neelsen Färbung säurefeste Stäbchen nachweisen. Damit war die Diagnose einer pulmonalen und vermutlich auch chorioretinalen Tuberkulose gesichert. Unter tuberkulostatischer Therapie vernarbten die chorioidalen Granulome.
Ein 30-jähriger Mann hatte beidseits eine Panuveitis mit Kerzenwachsexsudaten an den retinalen Gefässen. Im Röntgen-Thorax fielen vergrösserte Hiluslymphknoten auf. In der Biopsie der Lymphknoten liessen sich verkäsende epitheloidzellige Granulome und in der PCR Mycobacterium tuberculosis nachweisen. Eine tuberkulostatische Therapie führte nicht zu einer Besserung. Aufgrund des typischen Augenbefundes und der Hiluslymphome stellten wir die Diagnose einer Sarkoidose. Unter Steroidtherapie kam zu einer raschen Besserung der Lungen- und Augenveränderungen.
Schlußfolgerung: Die schwierige Differentialdiagnose zwischen Sarkoidose und Tuberkulose lässt sich durch laborchemische und bildgebende Verfahren allein nicht eindeutig klären. Erst das klinische Gesamtbild einschließlich des Ansprechens auf die Therapie macht eine Differenzierung möglich.
Universitäts-Augenklinik Freiburg, Killianstrasse 5, D-79106 Freiburg
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