97. Jahrestagung der DOG 1999
V 273
GUY DE CHAULIAC ( ?1300-1368 ): BIOGRAPHIE UND SCHRIFTLICHES WERK EINES HERVORRAGENDEN ARZTES DES MITTELALTERS
L. Bellwald
Schon in der Kindheit in seiner Heimat Südfrankreich rankte sich dieLegende um seine Person. Das Medizinstudium führte ihn zu den wohl wichtigsten Universitäten seiner Zeit, unter anderen Montpellier, Paris und Bologna. In Montpellier schaut man auch heute noch mit Stolz auf diesen grossen Lehrer zurück.Er praktizierte in Montpellier, Lyon und Avignon. Kontakte nach Böhmen sind belegt. Auf seinen Reisen durch das mittelalterliche Europa mag er auch als Wanderarzt gearbeitet haben.
Guy de Chauliac war berühmt in ganz Europa und dadurch suchten auch Mitglieder der französischen und deutschen Fürstenfamilien seinen medizinischen Rat. Johann von Luxemburg, später 'der Blinde' genannt, reiste heimlich nach Montpellier in der Hoffnung Linderung für sein Augenleiden zu erfahren. Guy de Chauliac war auch Arzt von drei Päpsten. Somit hatte er leichten Zugang zu den bedeutendsten Bibliotheken Europas.
Sein grosses Lehrbuch, die "CHIRURGIA MAGNA", ist wahrscheinlich das umfassendste Kompendium des gesamten medizinischen Wissens seiner Zeit. Ein umfangreiches Kapitel betrifft die Augenheilkunde. Guy de Chauliac überliefert uns zum Beispiel die verschiedensten Rezepturen, aber ebenso genaue Schilderungen von Operationstechniken, unter anderem der 'Niederlegung des Staares'. Dank seiner zahlreichen Zitate fast aller grossen Medizinergestalten der Jahrhunderte vor seiner Zeit wirkten Galen, Avicenne und andere indirekt bis in die neuere Zeit.
Dieses Manuskript blieb nämlich ein Referenzwerk bis ins 18. Jahrhundert. Einige sehr schöne Kopien und sogar ein Nachdruck aus dem 19. Jahrhundert sind bis heute erhalten.
B.P. 1268, L-1012 Luxemburg
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