97. Jahrestagung der DOG 1999
V 274
ENTWICKLUNGSSCHRITTE DER ORBITACHIRURGIE
D. Holland, R. Rochels
Einzelne große Entwicklungsschritte der Orbitachirurgie sollen aus medizinhistorischer Sicht dargestellt werden. Orbitachirurgie beinhaltete bis ins frühe 18. Jhd. überwiegend verschiedene Methoden der Entfernung des Augapfels. Der erste Hinweis auf Vorläufer eines Orbitaeingriffes findet sich bei Celsus, der eine Excisio partialis bulbi, das heißt die Entfernung eines Teils des vorderen Augenabschnittes beschreibt. 1583 berichtet Bartisch erstmalig über die Exstirpation des Augapfels, wobei neben dem Augapfel auch Anteile des orbitalen Fettgewebes und der Augenmuskeln mitentfernt wurden. Diese Methode wurde durch Hildanus 1596 und Louis 1774 verfeinert. Einen weiteren Fortschritt bedeutete die Enukleation des Bulbus die 1841 von Bonnet und Ferall beschrieben wurde, sowie die Evizeratio bulbi, 1884 von Alfred Graefe angegeben. Die Entfernung extraocularer Tumoren geht auf das frühe 18 Jhd. zurück, wobei es sich damals zumeist um Dermoidzysten in den vorderen Orbitaanteilen handelte. Dies waren die Anfänge der vorderen Orbitotomie, die heute in zahlreichen Varianten bekannt ist. Die Exenteration der Augenhöhle fand ab 1864 Anwendung bei besonders aggressiv voranschreitenden Erkrankungen. Als eigentlichen Anfang des Therapieziels, unter Erhalt des Bulbus retrobulbäre Tumoren zu entfernen, kann die Entfernung von Sehnervengeschwülsten durch Knapp aus dem Jahre 1874 angesehen werden. In diesem Zusammenhang sind auch die damals bei sympathischer Ophthalmie angewendete Neurotomia- bzw. die Neurekomia optico-ciliaris zu nennen. Einen weiteren großen Schritt für die Orbitachirurgie ging 1889 Krönlein mit der Einführung seiner Lateralen Orbitotomie, die durch guten Einblick in das Op-Feld gekennzeichnet war und so schonende Operationen ermöglichte. Diesen Vorteil bietet auch die transkraniale Orbitotomie. Sie wurde besonders durch Dandy ab 1941 propagiert und dominierte lange Zeit die Orbitachirurgie. Zur Dekompression der Augenhöhle bei malignem Exophthalmus wurden ab den Anfängen dieses Jhd. verschiedenste Operationstechniken entwickelt, die im einzelnen kurz erwähnt werden. Besonders in den 1940er Jahren machte die Versorgung der Blow-out-Fraktur eine sprunghafte Entwicklung durch. Diese Vorgehens-weisen, welche verschiedenste Fachrichtungen auf das Feld der Orbitachirurgie riefen, führten in einzelnen Orten zur Bildung von speziellen Orbitazentren, welche eine optimale Behandlung von Patienten mit Erkrankungen der Augenhöhle gewährleisteten.
Univ. Augenklinik, Hegewischstr. 2, D-24105 Kiel
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