97. Jahrestagung der DOG 1999

V 277

DIE MONDTÄUSCHUNG UND DIE SCHEINBARE GRÖSSE DER SONNE

Robert A. Crone

Für die Mondtäuschung gibt es noch immer keine Erklärung Das Hauptproblem ist die scheinbare Grösse des Mondes und der Sonne im freien Raum. Heraklit schätzte die Sonne so gross wie einen menschlichen Fuss. Das impliziert eine scheinbare Entfernung von etwa 40 m. Das ist auch die Grenze des (hyperbolischen) stereoskopischen Raumes. Die Untersuchung G. ten Doesschates (Ned. Tijdschr. v. Geneeskunde 74, 1930, 748) über die Nichtlinearität des Emmertschen Gesetzes zeigt eine ähnliche scheinbare Entfernung des Himmelsgewölbes im Zenith. Über den Horizont können Sonne und Mond durch perspektivisches Tiefensehen in grösserer Entfernung lokalisiert werden, und deshalb grösser gesehen werden als im Zenith.
Die Mondtäuschung wird also verursacht durch die verschiedene Struktur des stereoskopischen und perspektivischen visuellen Raumes. Für diesen Strukturunterschied ist Alhazens 'Abflachung des Himmelsgewölbes' eine adäquate Metapher.

Reguliersgracht 1 NL-1017 LJ Amsterdam


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