97. Jahrestagung der DOG 1999
V 280
ERNST ANTON NICOLAI - EIN STILLER GELEHRTER UND IATRO-
MUSIKER
J. Herde
Es ist über einen Mann zu berichten, der durch die berühmten Gelehrten Friedrich Hoffmann und Christian Wolff, aber auch durch die Lehren von Ernst-Georg Stahl für eine universale naturwissenschaftlich ausgerichtete Forschungstätigkeit vorbereitet wurde. E.A.Nicolai wurde am 7.9.1722 in Sondershausen geboren und kam 1740 zum Studium der Medizin nach Halle. Humoralpathologie, Solidarpathologie, Tonuslehre, der Animismus, die Chemie und Philosophie zählten zu seinen Lehrinhalten. Nach der Promotion 1745 und der Habilitation 1748 wurde er im gleichen Jahr zum Professor extraordinarius ernannt. Neben der Lehre, in die auch die Augenheilkunde integriert war, publizierte er zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Zu nennen sind hier sein Frühwerk Die Verbindung der Musik mit der Arzneygelahrtheit" (1745), aber auch Gedanken von Thränen und Weinen" (1748) und Gedanken von der Erzeugung von Mißgeburten und ...... (1749). Nicolai setzte sich für die Abschaffung des Lateinischen bei der Abfassung von wissenschaftlichen Arbeiten ein, wobei er beispielgebend war. Die Berufung nach Jena 1758 wurde zum Beweis für seine scharfsinnige, kritische und logische wissenschaftliche Tätigkeit. Unter der Trias Nicolai, Gruner und Loder gelangte die Universität zur Blütezeit. Aus der Jenaer Zeit stammen aus Nicolai's Feder 15 eigene Arbeiten und 158 betreute medizinische Dissertationen. In seinem bedeutendsten Werk Pathologie oder Wissenschaft von den Krankheiten" sind zahlreiche Kapitel der Augenheilkunde gewidmet. Den eigenen genauen Beobachtungen und Beschreibungen der Sinnesphysiologie, Augenerkrankungen und Fehlbildungen stellt er bekannte Auffassungen und Erkenntnisse gegenüber. Bei seinen facettenreichen Vorlesungsangeboten ist es nicht überraschend, auch J.W.Goethe unter seinen Zuhörern zu finden.
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Martin-Luther-Universität,
Magdeburger Straße 8, 06097 Halle
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