97. Jahrestagung der DOG 1999
V 283
12. SEPTEMBER 1879: HIRSCHBERG EXTRAHIERT MIT SEINEM ELEKTRISCHEN HANDMAGNETEN ZUM ERSTEN MALE EINEN FREMD-KÖRPER AUS EINEM MENSCHLICHEN AUGE
H. Remky
Am 15. Oktober 1879 berichtete Hirschberg der Berliner Medicinischen Gesellschaft über einen seltenen Operationsfall": zur Extraktion eines ophthalmoskopisch sichtbaren Fremdkörpers im Glaskörperraum wurde die Sklera eröffnet und das schnabelförmige Ende des Magnetansatzes eingeführt. Beim zweiten Versuch hörte man einen klingenden Ton; der Splitter folgte dem Magneten. Der postoperative Verlauf war komplikationslos. Die genau geführte Krankengeschichte enthält eine Zeichnung des Augenhintergrundbefundes (große Ader- Netzhautnarbe mit entsprechendem Gesichtsfelddefekt).
Hirschberg hat keinerlei Priorität beansprucht: er erwähnt, dass Mc Keown in Belfast 1874 die Sklera eröffnet hatte, um einen Fremdkörper mittels Permanentmagnet zu extrahieren, dass schon vor 1875 der Berliner Augenarzt Paul Heinrich Brecht einen elektrischen Handmagneten konstruiert hatte, dass Mc Hardy in London einen elektrischen Handmagneten benutzt hatte, um einen Fremdkörper von der Linsenvorderfläche in die Vorderkammer zu ziehen und dann zu entfernen.
Hirschberg hatte nach einem vergeblichen Extraktionsversuch mit dem Gerät von Brecht 1875 begonnen, sich um die Konstruktion eines klinisch brauchbaren elektrischen Handmagneten zu bemühen, der nach jahrelanger tierexperimentieller Erprobung hergestellt wurde und weltweite Verbreitung fand.
Augenklink Remky, Arabellastr. 5, D-81925 München
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