97. Jahrestagung der DOG 1999
V 292
DAS TRAGISCHE ENDE DER ASSIMILATION. JÜDISCHE OPHTHALMOLOGEN IN BERLIN 19331940
P. Voswinckel
Als im Jahre 1932/33 das zweibändige "Biographische Lexikon hervorragender Ärzte" von Isidor Fischer erschien, befanden sich in der LexikonKlientel (7.765 Ärzte und Ärztinnen aus aller Welt) auch 89 Ophthalmologen des deutschen Sprachraumes, die zu Beginn des Dritten Reiches noch lebten und als Professoren oder Klinikleiter tätig waren. Sechzehn von ihnen (=18%) wurden als "Nichtarier" ein Opfer der nationalsozialistischen Rassengesetzgebung. Ihrer Arbeitsmöglichkeit beraubt, waren sie zur Emigration gezwungen oder als Pensionäre der Demütigung und Verfolgung im Heimatland ausgesetzt. Anhand einiger betroffener Berliner Fachvertreter der Augenheilkunde (u.a. Georg Abelsdorff, Oskar Fehr, Adolf Gutmann, Georg Levinsohn, Wilhelm Mühsam) wird das tragische Ende der deutschjüdischen Assimilation beleuchtet. Darüberhinaus wird eine biographische Würdigung von Leben und Werk versucht sowie speziell die Existenz und Wirkungsmöglichkeit in der Emigration dargestellt. Der Beitrag versteht sich zugleich als Präsentation des von der DFG unterstützten Forschungsprojektes, das die Erstellung eines Ergänzungsbandes für das "Biographische Lexikon hervorragender Ärzte" zum Ziel hat. Durch die Vervollständigung von über 4400 Ärztebiographien bildet der geplante Supplementband eine einzigartige Dokumentation der politischideologischen Einschnitte in das Denken und Handeln der Medizin. Es wird über den Stand und die Probleme des Lexikonprojektes berichtet.
Medizinische Universität zu Lübeck, Institut für Medizin und Wissenschaftsgeschichte, Königstrasse 42, D23552 Lübeck.
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