98. Jahrestagung der DOG 2000

K 157

Temperatureffekte auf ERG und VEP beim Kaninchen

M. A. Vobig, G. M. Marzella, U. Baum, P. Walter, K. U. Bartz-Schmidt

Hintergrund: Seit einigen Jahren werden verschiedene elektrisch aktive intraokulare Implantate wie z.B. das Retina-Implantat oder ein intraokularer Drucksensor entwickelt und tierexperimentell erprobt. Beim Betrieb dieser Implantate ist mit einem Wärmeeintrag in das umgebende Gewebe zu rechnen. Im Rahmen von Biokompatibilitätsprüfungen derartiger Implantate führten wir Messungen der Temperatureffekte auf das Elektroretinogramm (ERG) und die visuell evozierten kortikalen Potentiale (VEP) beim Kaninchen durch.

Methoden: Bei pigmentierten Kaninchen (n=6) wurde in Narkose eine extrakapsuläre Lentektomie durchgeführt. Danach wurde eine mit einem elektrischen Widerstand versehene IOL aus Siloxan implantiert. Eine Temperatursonde wurde via pars plana in den Glaskörperraum eingeführt und die präretinale Glaskörpertemperatur registriert. Unter gleichzeitiger Verwendung der Temperatursonde als aktive Elektrode und weiterer kutaner Elektroden wurden ERG und VEP simultan abgeleitet. Durch Anlegen eines elektrischen Stromes and den in der IOL befindlichen Widerstand wurde die intraokulare Temperatur erhöht. ERG und VEP wurden bei verschiedenen Temperaturen registriert.

Ergebnisse: Mittels „heizbarer IOL" konnte eine Temperaturerhöhung des präretinalen Glaskörpers um 1,0 - 3,5°C erreicht werden. Im Vergleich zu in-vitro Versuchen zeigte sich in-vivo eine wesentlich geringere Temperaturerhöhung. Eine Erhöhung der präretinalen Glaskörpertemperatur im o.g. Bereich zeigt keine signifikanten Auswirkungen auf Amplituden und Latenzen der a- und b-Welle im ERG, sowie auf Amplitude und Latenz der N2, P2, N3-Komponenten der VEP-Antwort.

Diskussion: Eine Erhöhung der intraokularen Temperatur durch elektrisch aktive Implantate von mehreren Grad Celsius hat keine Auswirkungen auf die Funktion der Netzhaut. Eine Aussage über die Langzeitverträglichkeit muß in weiteren Experimenten geklärt werden.

Zentrum für Augenheilkunde der Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50931 Köln



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