98. Jahrestagung der DOG 2000

K 176

Morphologie der Netzhaut nach Plasmin-induzierter Vitrektomie

A. Gandorfer, A. Kampik

Einleitung: Plasmin induziert eine Trennung von Glaskörper und Netzhaut durch Degradation von Laminin und Fibronektin. Die Feinstruktur der Netzhaut nach Plasmin-generierter hinterer Glaskörperabhebung wurde bislang nicht systematisch untersucht. Wir präsentieren den proteolytischen Effekt von Plasmin auf die Morphologie der vitreoretinalen Grenzfläche in Abhängigkeit von Dosis und Wirkzeit von Plasmin.

Methoden: 24 post mortem enukleierte Schweineaugen wurden 1 oder 2 U intravitreal appliziertem Plasmin für 30 oder 60 Minuten ausgesetzt. 24 Partneraugen erhielten intravitreal PBS und dienten als Kontrolle. Mit einem Hornhauttrepan wurden jedem Auge Netzhautpräparate vom hinteren Pol, vom Äquator und von der Glaskörperbasis entnommen und mittels Licht-, Transmissions- und Rasterelektronenmikroskopie untersucht.

Ergebnisse: Alle Plasmin-behandelten Augen zeigten eine hintere Glaskörperabhebung. Allerdings fanden sich Glaskörperreste auf der Membrana limitans interna (ILM), deren Ausmaß streng mit der Konzentration und Einwirkzeit von Plasmin korreliert war.

1 U Plasmin für 30 Minuten hinterließ ein dichtes Netzwerk von Kollagenfasern auf der ILM. 1 U Plasmin für 60 Minuten reduzierte die Kollagenfasern signifikant; ebenso wie bei 2 U Plasmin für 30 Minuten fanden sich nur noch einzelne Kollagenfasern auf der ILM. 2 U Plasmin für 60 Minuten erzielte eine vollständige vitreoretinale Trennung ohne Glaskörperreste. An der Glaskörperbasis fand sich kein Unterschied zur Kontrolle. Alle Kontrollaugen zeigten einen anliegenden Glaskörper am hinteren Pol, am Äquator und an der Glaskörperbasis. Die Morphologie der Netzhaut zeigte keine Unterschiede zwischen Plasmin-behandleten Augen und Kontrollen.

Diskussion: Plasmin ermöglicht eine reproduzierbare und quantifizierbare Trennung von Glaskörper und Netzhaut ohne morphologische Netzhautveränderungen. Im Gegensatz zu bisherigen Publikationen ist hierzu keine zusätzliche chirurgische Intervention nötig. Die Vollständigkeit der vitreoretinalen Trennung ist abhängig von der Konzentration und Einwirkzeit von Plasmin.

Gefördert durch den Hermann Wacker Fond, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (T006/01.004/99)

Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität, Mathildenstr. 8, D-80336 München



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