K 186
Optimierung durch Insulinpumpe
R. Theisen , K. Hille, A. M. Palmowski, K. W. Ruprecht
Hintergrund: Obwohl zahlreiche Studien eine strikte Blutzucker-Einstellung als grundlegende Voraussetzung der Prävention der diabetischen Mikroangiopathie belegen, kann eine zu scharfe Blutzucker-Optimierung mittels z.B. Insulinpumpe die akute Progression einer vorbestehenden Retinopathie auslösen.
Kasuistik: Ein 22-jähriger Patient mit Diabetes mellitus Typ I stellte sich erstmals im Juni `99 wegen Visusminderung in der Universitäts-Augenklinik Homburg vor.
Die klinische und fluoreszensangiographische Untersuchungen ergaben die Diagnose einer mäßigen nichtproliferativen diabetischen Retinopathie des rechten Auges, die durch gezielte ALK behandelt wurde. Am linken Auge bestand eine Refraktionsamblyopie sowie eine Cataracta pulverulenta mit reduziertem Funduseinblick, der die fluoreszensangiographische Darstellung verhinderte. Ophthalmoskopisch ließen sich jedoch behandlungsbedürftige Netzhautveränderungen ausschließen. Anfang November`99 wurde der Patient wegen instabiler Stoffwechsellage (Hba1c: 14% ) auf eine Insulinpumpentherapie eingestellt mit einer Absenkung bis zur nahezu- Normoglykämie . 3 Monate später entwickelte der Patient beidseits eine massive proliferative Retinopathie mit Glaskörperblutung am linken Auge.
Schlußfolgerung: Bei Patienten mit langdauernder schlechter Blutzucker-Einstellung und mäßiger nichtproliferativer Retinopathie soll, aufgrund des Risikos einer Retinopathie-Verschlechterung, von einer allzu raschen Blutzucker-Normalisierung durch intensivierte Insulintherapie abgesehen werden.
Universitäts-Augenklinik, Kirrberger Str. 1, D - 66421 Homburg