98. Jahrestagung der DOG 2000

R 206

Immunologische Aspekte des retinalen Pigmentepithels

G. Thumann

Das Immunprivileg des subretinalen Raumes beinhaltet einen partiellen Schutz vor einer Immunreaktion, z.B. Abstoßungsreaktion nach Transplantation. Das retinale Pigmentepithel (RPE) spielt hierbei unter verschiedenen Aspekten eine wichtige Rolle. Zum einen kontrolliert es mittels Blut-Retina-Schranke den Austausch von zirkulierenden Antigenen und gewährleistet damit eine immunologische Schutzfunktion. Zum anderen exprimieren RPE Zellen Oberflächenrezeptoren (z.B. MHC

Klasse II) und Mediatoren (z.B. IL-1, TNF, IFN), die für eine Immunantwort notwendig sind und können als Antigen präsentierende Zelle fungieren. RPE Zellen weisen zudem Eigenschaften von Makrophagen auf (z.B. Phagozytose) und sezernieren nach vorausgegangener Aktivierung pro- und antiinflammatorische Zytokine oder treten mit den Leukozyten selbst in Interaktion und vermitteln so die Immunreaktion.

Die Transplantation von Zellen oder Gewebe in den subretinalen Raum stellt einen Forschungsschwerpunkt in der Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) dar. Das Hauptproblem dieser Behandlungsmethode ist die Verhinderung einer Abstoßungsreaktion, die sich trotz des Immunprivilegs entwickelt. Zahlreiche tierexperimentelle Studien mit xeno- und allogener Transplantation konnten eine Schlüsselstellung der RPE Zellen im Ablauf der Immunreaktion belegen.

Ansätze für weitere Forschung im Hinblick auf Verhinderung oder Suppression einer Abstoßungsreaktion sind: die orale Toleranzinduktion, medikamentöse Immunsuppression, Transplantation von HLA typisierten oder autologen Zellen, z.B. Iris Pigmentepithel Zellen oder Stammzellen aus dem Knochenmark.

Augenklinik, Abteilung für Glaskörper- und Netzhautchirurgie, Universität zu Köln, Josef-Stelzmann-Str. 9, D-50931 Köln



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