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H. Thieme, M. Wiederholt
Einleitung: Die Vorstellung von der Funktion des Trabekelwerk (TM) hat in den letzten Jahren eine Revision erfahren. Es gilt nunmehr als gesichert, dass das Trabekelmaschenwerk kontraktile Eigenschaften besitzt und über diesen Mechanismus an der Regulation der Kammerwasserabflusses direkt beteiligt ist. Da circa 85% des Kammerwassers über den konventionellen Abflussweg drainiert wird, ist das Trabekelmaschenwerk ein ideales Target für neue Antiglaukomatosa.
Methoden: Sowohl elektrophysiologisch als auch immunhistochemisch lassen sich TM-Zellen mit glatten Muskelzellen vergleichen. Isometrische Kontraktionsmessungen lassen den direkten Vergleich mit dem Ziliarmuskel (ZM) zu. Experimente an isolierten Vorderabschnitten vom Rind erlauben die Messung des Kammerwasserabflusses isoliert am TM unter Einfluss verschiedener Substanzen. Western Blot Verfahren wurden angewendet, um an der Kontraktion beteiligte Signalproteine (z.B. Myosin Light Chain Kinase (MLCK)) und deren Regulation zu charkterisieren.
Ergebnisse: Kontraktionsmessungen zeigten, dass das TM kontraktile Eigenschaften besitzt, wobei TM und ZM unterschiedlich reguliert sind. Die beteiligten kontraktilen Signalproteine wie Myosin und MLCK liessen sich in Zellkulturen von humanem TM nachweisen. Vorderkammer-perfusionsversuche konnten zeigen, dass Substanzen, die das TM isoliert kontrahieren (Pilokarpin), den Abfluss vermindern. Relaxantien (z.B. Epinephrine) führen umgekehrt zur Relaxation und damit zur Augendrucksenkung.
Diskussion: Unsere Hypothese zur Hydrodynamik des Auges geht davon aus, dass ein funktioneller Antagonismus zwischen TM und ZM existiert. Dadurch ergeben sich neue Konzepte für die Beeinflussung der okulären Hydrodynamik. Eine ideal drucksenkende Substanz wäre demnach ein relaxierende Substanz für das TM, die einerseits zur Senkung des IOP, andererseits zur Verbesserung der okulären Hämodynamik führen könnte. Mögliche Kandidatensubstanzen werden vorgestellt.
Institut für Klinische Physiologie, Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Freie Universität Berlin, Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin