98. Jahrestagung der DOG 2000
P 259
Verändert sich der Astigmatismus nach Phakoemulsifikation abhängig von der Achsenlage des Schnittes?
J. Gruber, M. Mertz, I. M. Lanzl
Einleitung: Im Rahmen der modernen astigmatismusneutralen Kataraktoperation wird propagiert, die Lage des korneoskleralen Schnittes von der präoperativen Achsenlage abhängig zu machen. Liegt der Zugang im steilen Meridian des präoperativen Astigmatismus, so soll dieser durch die Wunde abgeflacht und der Astigmatismus so verringert werden können. Ob dies unter den herrschenden Arbeitsbedingungen eines akademischen Lehrkrankenhauses eine für den Patienten wichtige Rolle spielt, soll in der vorliegenden Studie untersucht werden.
Methoden: Aus dem eigenen Krankengut wurden 100 Patienten nach komplikationsloser Phakoemulsifikation retrospektiv untersucht. Die Operation wurde von 4 verschiedenen Operateuren durchgeführt. Die Schnittlage wurde unabhängig von der präoperativen Achsenlage nach Vorliebe des Operateurs entweder temporal bei 0 Grad oder oben bei 90 Grad angelegt. Die postoperative Refraktion erfolgte zur Brillenanpassung sechs Wochen oder länger nach OP.
Ergebnisse: 18% der Patienten hatten präoperativ einen Astigmatismus von im Mittel -0.75 dpt bei 0 Grad. Davon erhielten 2/3 einen Schnit bei 90 und1/3 bei 0 Grad. Bei 2 Patienten verringerte sich die Astigmatismusstärke bei unveränderter Achslage bei Schnitt 0 Grad und bei 2 Patienten erhöhte sich die Astigmatismusstärke unter Beibehaltung der Achslage bei Schnittlage 90 Grad wie erwartet. Bei 12% der Patienten traten postoperativ nicht erwartete unterschiedliche Veränderungen auf. 60% der Patienten hatten präoperativ einen Astigmatismus von im Mittel 1,0 dpt bei 90 Grad. Davon verringerte sich bei 8 Patienten die Stärke des Astigmatismus bei Beibehaltung der Achsenlage bei einer Inzision bei 90 Grad und verstärkte sich bei 5 Patienten unter den selben Bedingungen. Bei nur 7 Patienten verstärkte sich der Betrag des Astigmatismus bei Beibehaltung der Achsenlage bei einer Inzision bei 0 Grad wie erwartet aber er verringerte sich bei weiteren 7 Patienten unter gleichen Bedingungen.
Diskussion: Insgesamt verhielt sich die Stärke und Lage des postoperativen Astigmatismus bei nur 26% unserer Patienten wie nach der Theorie der Abflachung des steilen Meridians durch die Inzision zu erwarten gewesen wäre. Für uns bedeutet dies, daß unter den Bedingungen der Ausbildung zur Kataraktoperation zum Wohle des Patienten auf eine möglicht dem Operateur bequeme Lage des Zugangs geachtet werden sollte, um die Rate intraoperativer Komplikationen zu verringern. Die Astigmatismusreduktion ist als sekundäre Frage anzusehen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der präoperative Astigmatismus nur relativ gering ausgeprägt ist, wie dies in unserem Krankengut der Fall war.
Augenklinik der TU München, Ismaninger Str. 22, 81675 München
Zurück