98. Jahrestagung der DOG 2000

P 271

Beidseitige parafoveale Teleangiektasien in Kombination mit idiopathischen Aderhautfalten

J. A. Reichelt

Die Diagnose der parafovealen Teleangiektasien in der Fluoreszein-Angio-graphie bereitet keine Schwierigkeiten. Die Pathogenese ist unklar. Seltene Verbindungen mit anderen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mel-litus werden postuliert. Wir sahen in unserer Poliklinik einen Fall in Kombi-nation mit idiopathischen Aderhautfalten. Diese Assoziation ist bisher nicht bekannt.

Kasuistik: Eine 39jährige Patientin stellte sich mit seit fünf Jahren beste-henden subjektiven Sehstörungen beidseits vor, die sie bisher mit Vitamin-präparaten behandelt habe. Der Verlauf sei langsam progredient und schleichend gewesen. Anamnestisch waren bis auf eine geringgradige Hy-peropie mit Astigmatismus keine früheren Augenerkrankungen eruierbar.

Bei Erstvorstellung betrug der bestkorrigierte Fernvisus beidseits 0,4. Am Fundus zeigten sich weißliche Veränderungen in der Nervenfaserschicht. Im Bereich von 5° bis 7° vom Fixierpunkt entfernt waren relative Skotome nachweisbar. Auffällig waren Aderhautfalten entlang der Gefäßbögen. In der Fluoreszeinangiographie zeigten sich in der Frühphase parafoveale Teleangiektasien mit dezenter später Leckage. Sonstige Untersuchungen inklusive EOG und ERG waren unauffällig. Eine internistische Abklärung förderte keine Auffälligkeiten zutage. Im Ultraschall als auch im MRT war eine Ursache für die Aderhautfalten nicht zu finden. Eine Hypotonie als Ursache der Aderhautfalten konnte ausgeschlossen werden. Fundusko-pisch ergab sich kein Anhalt für periphere Angiome.

Ergebnis: Bei dem beschriebenen Fall handelt es sich um parafoveale Teleangiektasien Gruppe 2 nach Gass mit bisher noch nicht beschriebenen Aderhautfalten. Bei der weiteren Beobachtung innerhalb von 17 Monaten schwankte der Visus und lag zuletzt rechts bei 0,1 und links bei 0,63. In der 10°-Computerperimetrie waren auch weiterhin relative Skotome nachweis-bar.

Schlußfolgerung: Ob die Aderhautfalten pathologisch an der Entstehung der parafovealen Teleangiektasien beteiligt sind oder nur ein getrennt auf-tretendes Epiphänomen darstellen, läßt sich anhand unseres einzelnen Falles nicht klären. Ein Zusammenhang etwa in Form abnormer Bindege-websstrukturen in Sklera, Chorioidea und Retina kann jedoch nicht ausge-schlossen werden. Die Sammlung weiterer Fälle von parafovealen Telean-giektasien mit idiopathischen Aderhautfalten ist daher vonnöten, um ein genaueres Bild von dieser Befundkonstellation zu erhalten.

Klinik für Ophthalmologie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Hegewischstraße 2, D-24105 Kiel



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