98. Jahrestagung der DOG 2000
P 276
Ischämischer Zentralvenenverschluß unter Einnahme oraler Kontrazeptiva bei einer 19-jährigen Patientin mit Faktor-XII-Mangel
M. Brieden, C. M. C. Klais, C. Kuhli, B. Kacer, H. O. C. Gümbel
Kasuistik: Eine 19 jährige Patientin stellte sich aufgrund einer seit fünf Tagen bestehenden akuten einseitigen Visusverschlechterung vor. Anamnestisch waren bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei okuläre Erkrankungen oder kardiovaskuläre Risikofaktoren bekannt. Die Patientin hatte 2 Wochen vor dem Beginn der Symptomatik mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva begonnen.
Der Visus betrug am betroffenen Auge s.c. 0,6. Fundoskopisch zeigte sich das Vollbild eines Zentralvenenverschlusses vom ischämischen Typ. Die Patientin wurde zur isovolämischen Hämodilutionstherapie stationär aufgenommen. Aufgrund eines weiteren VisusabFalles auf 0,2 erfolgte am siebten Tag eine intravenöse Lysetherapie (50 mg Actilyse) mit anschließender Vollheparinisierung. Zusätzlich erhielt die Patientin täglich peroral 100 mg ASS sowie 1200 mg Pentoxifyllin. Das von der Patientin eingenommene Kontrazeptivum wurde abgesetzt. Eine Laserkoagulation der Netzhaut erfolgte nach vier Wochen. Das zur weiteren Abklärung durchgeführte Thrombophiliescreening ergab das Vorliegen eines Faktor XII-Mangels (31%; Norm: 54-135%). Acht Monate nach Auftreten des Zentralvenenverschlusses betrug der Visus s.c. 0,9. Fundoskopisch zeigte sich zu diesem Zeitpunkt eine vollständige Rückbildung der retinalen Veränderungen bei unauffälliger Perfusion in der Fluoreszenzangiografie.
Diskussion: Der vorliegende Fall weist darauf hin, daß eine Faktor XII-Mangel assoziierte Thromboseneigung auch zum Verschluß eines venösen retinalen Gefäßes führen kann. Im Rahmen der Diagnostik bei retinalen Verschlüssen sollte, insbesondere bei jungen gesunden Frauen und Einnahme oraler Kontrazeptiva, ursächlich an mögliche Störungen des Gerinnungssystems gedacht werden.
Augenklinik,
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Theodor-Stern-Kai 7,
D-60590 Frankfurt/Main
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