98. Jahrestagung der DOG 2000
P 277
Plötzlicher einseitiger Sehverlust bei Bulimie
D. Zeana, A. W. A. Weinberger
Einleitung: Eine 28-jährige Patientin wurde wegen eines seit 2 Tagen bestehenden plötzlichen einseitigen Sehverlustes bei uns eingewiesen. Die Patientin gab keine Allgemeinerkrankungen an. Auffällig war ein blasses Hautkolorit sowie ein sehr schlanker Körperbau.
Methoden: Visusprüfung, Applanationstonometrie, Funduskopie, sowie eine Gesichtsfeldprüfung nach Goldmann wurden durchgeführt. Zusätzlich wurde Blut für ein Differentialblutbild abgenommen.
Ergebnisse: Bei Untersuchung betrug die Sehschärfe rechts 0.2 und links 1.0. Die vorderen Augenabschnitte, Augeninnendruck sowie Pupillenreaktion waren unaufffällig. Das Amsler-Netz zeigte auf dem rechten Auge ein Zentralskotom ohne Metamorphopsien. In der Goldmann-Perimetrie wurden rechts normale Außengrenzen mit Skotomen zentral und oben erkannt. Funduskopisch zeigte sich rechts foveal eine ½ Papillendurchmesser große intraretinale Blutung, sowie 2 weiche Exsudate am hinteren Pol. Am linken Auge zeigte sich eine streifige Blutung nasal der Papille und 2 weiche Exsudate in der temporal unteren Gefäßstraße.
Differentiablutbild: Hämoglobin: 47 (N=120-160g/l), Hämatokrit: 0.15 (N=0.37-0.4l/l), Thrombozyten: 90 (N=150-400G/l), Eisen: 0.1 (N=11.1-31µmol/l). Auf ausgiebige Befragung gab die Patientin zu, sich selbst mehrfach aus den Armvenen zur Ader gelassen zu haben, um ihr Gewicht zu reduzieren. Wir haben die Patientin unserer psychiatrischen Klinik zugewiesen. Nach initialer Transfusiontherapie konnten die Blutwerte normalisiert werden, der Visus erholte sich binnen 4 Wochen auf 0.8.
Diskussion: Retinale Blutungen sind ungewöhnliche Erstmanifestationen bei Bulimie. In unserem Fall wurden sie wahrscheinlich durch eine nach dem letzten Aderlaß aufgetretene akute Thrombozytopenie verursacht.
Augenklinik der RWTH Aachen; Pauwelsstr. 30, D-52057 Aachen
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