R 286
L. Hesse
Erste Untersuchungen zur enzymatischen Behandlung von Erkrankungen im hinteren Augenabschnitt liegen mehr als 40 Jahre zurück. Die klinischen Erfahrungen mit der Pars-plana Vitrektomie zeigten, daß eine vollständige Entfernung des Glaskörpers einen günstigen Einfluß auf den Verlauf von proliferativen vitreoretinalen Erkrankungen hat. Therapeutische Ziele einer enzymatischen Behandlung des Glaskörpers zielten daher entweder auf die Verflüssigung des Glaskörpers (Kollagenase oder Hyaluronidase) oder die Trennung der hinteren Glaskörperrinde von der Netzhaut (Dispase, Plasmin, Gewebe-Plasminogen Aktivator oder Chondroitinase). Bisher wurden lediglich Gewebe-Plasminogen Aktivator, Plasmin und Hyaluroni-dase bei wenigen Patienten im Rahmen klinischer Studien eingesetzt. Insbesondere durch jüngste Erkenntnisse zur Pathophysiologie vasopro-liferativer vitreoretinaler Erkrankungen ergeben sich heute neue therapeutische Optionen z.B. durch enzymatische Zerstörung von Wachstumsfaktoren oder extrazellulärer adhäsiver Proteine (Fibronektin). Unter diesem Gesichtspunkt wäre beispielsweise eine Behandlung des diabetischen Glaskörpers mit geeigneten Enzymen denkbar, um die Ent-stehung einer proliferativen diabetischen Vitreoretinopathie zu verhindern.Zunehmende Verbreitung findet derzeit die fibrinolytische Behandlung subretinaler Blutungen durch Gewebe-Plasminogen Aktivator (TPA) ergänzt durch eine pneumatische Verlagerung mittels intravitrealer Injektion von Gas. Jüngste morphometrische Analysen konnten eindeutig eine subretinale Fibrinolyse nach intravitrealer Injektion von Gewebe-Plasminogen Aktivator nachweisen. Offensichtlich passiert das TPA die Netzhaut durch Mikroläsionen, die als Folge einer mechanischen Schädigung der Netzhaut während des Blutungsereignisses entstehen. Zum ersten Mal hat eine einfachere und schonendere enzymatische Therapie kombiniert mit einer pneumatischen Verlagerung durch intravitreal injiziertes Gas eine Pars-plana Vitrektomie ersetzt.
MZ für
Augenheilkunde, Philipps-Universität, Robert-Koch-Str. 4,
D-35033 Marburg