98. Jahrestagung der DOG 2000

R 294

Fahreignung aus der Sicht des Internisten - Berührungspunkte mit der Ophthalmologie

H. Dörfler

Ein Gefährdungssachverhalt ist dann gegeben, wenn bei einem Kraftfahrer die Gefahr des plötzlichen Versagens der körperlich-geistigen Leistungsfähigkeit zu erwarten ist. Stets ist zu berücksichtigen, ob eine Behandlung möglich ist. Deren Qualität und die Mitarbeit des Probanden sind zu überprüfen. Regelmäßige Befunddokumentation durch Arzt und Probanden ist erforderlich. Untersuchungen interessieren nicht nur hinsichtlich des Ergebnisses sondern auch, ob sie durchgeführt sind.

Relevante Krankheiten sind: Herzkrankheiten

a) Rhythmusstörungen, die zu einer anfallsweisen Unterbrechung der Blutzirkulation des Gehirns führen. Therapie medikamentös, Schrittmacher oder implantierter Defibrillator. Beurteilung der Fahreignung individuell.

b) Nach Infarkt Fahrzeuge der Gruppe 2 nur in Ausnahmefällen. 3 - 6 Monate nach Infarkt abhängig von Untersuchungs-ergebnissen ist Fahrerlaubnis der Gruppe 1 möglich.

c) Herzinsuffizienz: in Ruhe keine Fahrerlaubnis, bei Alltagsbelastung keine Fahrzeuge der Gruppe 2, Gruppe 1 bedingt. Periphere Gefäßerkrankungen (Fontaine Stadium III und IV) keine Fahrerlaubnis, sonst Einschränkungen nur für Gruppe 2.

Zusammenarbeit des Internisten mit den Ophthalmologen essentiell bei

a) Diabetes mellitus
b) Bluthochdruck.

Bei beiden regelmäßige augenärztliche Untersuchung erforderlich. Oft begrenzt das Sehvermögen die Fahreignung.

Zu a) Beurteilung hängt ab von Qualität Einstellung (Blutzucker, HbA1C), Diabetesfolgen, Art der Behandlung (Hypoglykämiegefährdung durch Insulin und Sulfonylharnstoffe), Fahrzeuge Gruppe 2 bei Insulinbehandlung muss gut begründete Ausnahme sein. Oft Folgeerkrankungen (nicht nur Auge) entscheidend für Einschränkung der Fahrerlaubnis. Schulung des Probanden.

Zu b) Hochdruck: Diastolischer Wert dauernd über 130 mmHg keine Fahrerlaubnis. Bei Werten über 100 mmHg Entscheidung abhängig von Folgekrankheiten: Niere, Augenhintergrund, neurologische Rest-symptome nach Hirndurchblutungsstörungen, Linksherzhypertrophie.

Medizinische Poliklinik der LMU, Pettenkoferstr. 8a, D-80336 München



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