98. Jahrestagung der DOG 2000

R 298

Funktionsprüfungen bei der Fahreignungsbegutachtung – Ergebnisse einer Studie in der Europäischen Union

H. Wilhelm1, S. Heine1, D. Gamer1, S. Kuske1, S. Nitsch3, R. Kaper2, M. Emesz3,
R. van Rijn2, G. Grabner3

Ein Untersuchungsverfahren wird nur dann akzeptiert werden, wenn sein Ergebnis mit der subjektiven Beeinträchtigung des Untersuchten in Ein-klang zu bringen ist. Tests, die trotz subjektiver Behinderung von einem Großteil der Betroffenen bestanden werden, sind ungeeignet. Tests, bei denen ein großer Teil derjenigen durchfällt, die sich subjektiv unbeein-trächtigt fühlen, sind für die Betroffenen inakzeptabel. Eine europaweite Studie in Amsterdam, Salzburg und Tübingen untersuchte den Zusammen-hang zwischen subjektivem Empfinden und Testergebnis.

Methoden: 103 Teilnehmer älter als 50 und Führerscheininhaber, sowohl Normalpersonen als auch Patienten mit Medientrübungen, Netzhautver-änderungen oder Glaukom, beantworteten einen ausführlichen Fragebogen, aus dem ein "Disability Score" gewonnen wurde (National Eye Institute - Visual Functioning Questionnaire, NEI-VFQ-25). Danach wurden Visus (EDTRS), Kontrastsehen (Pelli-Robson), mesopisches Sehen (Mesotest und Nyktotest), Gesichtsfeld (HFA und Useful Field of View Test, UFOV) nach Owsley bestimmt und ein Routinestatus erhoben. Mittels linearer Regression wurden Korrelationen berechnet.

Ergebnisse: Signifikante Korrelation zwischen subjektiver visueller Beeinträchtigung und Test fanden sich für Sehschärfe, photopisches Kon-trastsehen (das aber gut mit dem Visus korrelierte) und UFOV. Nahe an der Signifikanzgrenze lagen die Ergebnisse des Mesotest (p = 0,06 mit Blendung, 0,07 ohne Blendung). Probleme beim Nachtfahren, wurden durch das Nyktotest-Gerät gut wiedergegeben

Diskussion: Überraschend gut spiegelt der Visus bei diesen älteren Auto-fahrern die subjektive Beeinträchtigung wider. Das UFOV schafft eine sehr komplexe Testsituation, die auch die Fähigkeit zur Kompensation von Sehmängeln prüft. Dieser Test sagte die subjektive Behinderung am besten voraus. Subjektive Schwierigkeiten beim Nachtsehen werden vor allem durch Prüfung des Kontrastsehens bei etwas hellerem Umfeld erfasst (Nyktotest), während die Prüfung bei dunklerem Umfeld (Mesotest) eher eine allgemeine Beeinträchtigung im Straßenverkehr anzeigte.

1Universitäts-Augenklinik, Tübingen

2Dpt. of Ophthalmology, Univ. Hospital Vrije Universiteit, Amsterdam

3Landesaugenklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Salzburg



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