K 299 Universitäts-Augenklinik Hamburg, Abteilung für Pleoptik
und Orthoptik, Martinistr. 52, D- 20246 Hamburg
K.-J. Hartung, W. Haase
Einleitung: Die Kontrastempfindlichkeit als eine der Teilfunktionen des menschlichen Gesichtsinnes bietet dem Ophthalmologen Informationen über die Erkennung gröberer Strukturen mit geringeren Leuchtdichte-unterschieden. Diese Fähigkeit wird bei der herkömmlichen Sehschärfe-bestimmung mit Optotypen nicht erfaßt.
Methode: Es wird ein neues automatisiertes Verfahren (CompuVist / Firma Rodenstock) zur Messung der Kontrastempfindlichkeit vorgestellt, bei dem die größenvariablen Optotypen auf verschiedenen Kontraststufen auf einem Computerbildschirm randomisiert dargeboten werden. Dabei hält sich das Verfahren streng an die Maßgaben der DIN 58220. Unter Anwendung dieser neuen Methode wurden 81 Augen normalsichtiger Erwachsener im Alter zwischen 20-30 und 60-80 Jahren zu Normungszwecken untersucht. Für beide Altersgruppen wurden getrennt Normwertkurven erstellt. Die Darstellung der Normwertkurven erfolgte mittels der gegenüber Ausreißern resistenten Mediane und den jeweiligen 5%- und 95%-Perzentilen dargestellt in box-plots. Zur Beurteilung der Validität des CompuVist wurden Vergleichsmessungen an 54 Augen mit einer konventionellen Kontrastempfindlichkeitsmessung unter Anwendung von Sehtafeln nach Pelli-Robson durchgeführt.
Ergebnisse: Es ergaben sich für beide Altersgruppen charaktristische Normwertkurven, wie sie aus der physiologischen Literatur bekannt sind. Bisher stand jedoch kein für die klinische Routine praktisches Verfahren zur Verfügung. Die Altersabhängigkeit der Kontrastempfindlichkeit ließ sich statistisch nachweisen. Die Analyse der Vergleichsmessungen ergab eine zuFallskorrigierte Übereinstimmung von bis zu 96%.
Diskussion: Das CompuVist ermöglicht einen untersucherunabhängigen standardisierten Meßverlauf, bietet die Optotypen randomisiert in nahezu unbegrenzt variablen Kontrast- und Visusstufen dar, erlaubt die Aufrechterhaltung der äußeren Testbedingungen und ist zudem noch leicht zu handhaben und wenig zeitaufwendig. Es stellt somit eine diagnostische Bereicherung im klinischen Alltag dar und erlaubt dem Ophthalmologen unter Zuhilfenahme der hier ermittelten Normwertkurven mit wenigen nicht zeitintensiven Messungen festzustellen, ob die individuelle Kontrastempfindlichkeit verändert ist oder nicht.