98. Jahrestagung der DOG 2000

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Subakuter Visusverlust als Erstmanifestation eines Schwannoms der Orbitaspitze

S. Kaskel, E. Müller, E. Herbst, A. Bock, H. Höh

Einleitung: Schwannome sind Tumoren der kranialen und peripheren Nerven und machen etwa 1 % der Orbitatumoren aus. Typischerweise finden sie sich in der zweiten bis fünften Lebensdekade, bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. In der Regel gehen sie vom ersten Trigeminusast aus und finden sich dann im oberen Orbitaanteil; seltener sind sie in der Orbitaspitze anzutreffen. (1)

Kasuistik: Ein 33jähriger Mann stellte sich im August 1999 in der Augenklinik des Klinikums Neubrandenburg vor. Er klagte über einen seit einigen Monaten auftre-tenden allmählichen VisusabFall auf dem rechten Auge. Klinisch fand sich rechts ein Visus von 0,6, der innerhalb der folgenden drei Wochen auf 0,3 abfiel, eine rechtsseitige konzentrische Gesichtsfeldeinschränkung, ein Afferenzdefizit rechts im Swinging-flashlight-Test, eine Latenzverzögerung und Amplitudenminderung im Muster-VEP und eine diskret temporal abgeblaßte Papille. Im MRT der Orbita zeigte sich in der Orbitaspitze am Eingang des Canalis nervi optici eine etwa 4 x 6 mm große, glatt begrenzte, kräftig Kontrastmittel aufnehmende Raumforderung, die von kaudal den Nervus opticus komprimierte. Im CT war eine lokale Usurie-rung des Optikuskanals als Ausdruck einer chronischen Druckwirkung sichtbar. Differentialdiagnostisch wurde von neuroradiologischer Seite ein Optikusscheidenmeningeom favorisiert.

Ergebnisse: Über einen transsphenoidalen Zugang wurde der etwa 4 x 6 mm große Tumor in der Orbitaspitze am Eingang des Canalis opticus im September 1999 durch die Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Klinikums Neubrandenburg kompli-kationslos entfernt. Der Visus erholte sich wieder auf 0,5, VEP und Gesichtsfeld blieben unverändert. Histologisch fand sich ein Schwannom. Zeichen eines M. Recklinghausen bestanden klinisch nicht.

Diskussion: Nicht jeder einseitige Visusverlust bei jüngeren Patienten ist auf eine Optikusneuritis zurückzuführen. Bei langsamem Visus- und GesichtsfeldverFall mit Afferenzdefizit im Swinging-flashlight-Test sollte auch ein Orbitatumor in Erwä-gung gezogen werden und eine entsprechende bildgebende Diagnostik veranlaßt werden.

  1. Cockerham KP, Cockerham GC, Stutzman R, Hidayat AA, Depper MH, Turbin RE, Kennerdell JS: The clinical spectrum of schwannomas presenting with visual dysfunction: A clinicopathologic study of three cases. Surv Ophthalmol 1999, 44: 226-234.
Augenklinik im Klinikum Neubrandenburg, Pfaffenstraße 24, PF 40 01 35, D - 17022 Neubrandenburg



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