98. Jahrestagung der DOG 2000

P 325

Erworbene synkinetische Pupillenentrundung beim Schlucken

B. I. Böhme

Hintergrund: Wir stellen eine außergewöhnliche Pupillenstörung aufgrund einer Fehlinnervation des M. dilatator pupillae vor.

Patient/Methoden: Am 3. Lebenstag des mittlerweile 10jährigen Patienten wurde ein Neuroblastom aus der rechten Halsseite entfernt. Als Folge trat ein rechtsseitiges Horner-Syndrom sowie eine Pupillenentrundung während des Trinkens auf. Es wurden ein Kokain- und ein Pholedrin-Test durchgeführt, sowie die Pupille beim Trinken beobachtet.

Ergebnisse: Diagnostiziert wurde ein Horner-Syndrom und ein weitgehen-der AusFall des peripheren sympathischen Neurons. Beim Schlucken von Flüssigkeit erweiterte sich die Pupille bei 7:30 und 1:30 Uhr.

Diskussion: Ob die Schädigung primär im 3. Neuron erfolgte, oder ob es sich um eine transsynaptische Degeneration infolge einer Läsion des 2. Neurons handelt, kann nicht eindeutig differenziert werden. Die Fehlinnervation muss von einem der Nerven ausgehen, die an der Koordination des Schluckakts beteiligt sind. Wir vermuten, dass sie vagalen Ursprungs ist, denn die Pupillenentrundung trat nur bei Beförderung eines größeren Flüssigkeitsvolumens über längere Zeit auf, wobei eine anterograde Ösophagusperistaltik gefordert ist. Diese wird vagal gesteuert. Die Weiterleitung der Fehlinnervation zum M. dilatator pupillae kann nur über einige erhaltene periphere Sympathikusneurone stattfinden, denn der M. dilatator pupillae verlangt eine adrenerge Innervation. Somit wäre eine synaptische Fehlinnervation von Zellen des Ganglion cervicale superius möglich.

Alternativ ist eine elektrotonische Erregungsübertragung in Form der ephaptischen Transmission („neuronal cross-talk") denkbar.

Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie der Justus-Liebig-Universität Gießen, Friedrichstr. 18, D - 35385 Gießen


Zurück