W. M. Budde
Hintergrund: Verschiedene Querschnittsstudien kamen zu dem Ergebnis, daß Offenwinkelglaukom bei Pseudoexfoliationssyndrom mit einer kleinen Papillenfläche assoziiert ist. Da Selektionsartefakte nicht ausgeschlossen werden konnten, sollten in der vorliegenden Studie Seitenunterschiede der Papillengröße bei Patienten mit Offenwinkel-glaukom und klinisch unilateralem Pseudoexfoliationssyndrom unter-sucht werden.
Patienten und Methoden: 22 Patienten mit bilateralem Offen-winkelglaukom und klinisch unilateralem Pseudoexfoliationssyndrom, sowie 47 zufällig ausgewählte Normalprobanden wurden untersucht. Das jeweils kontralaterale Auge ohne klinisch erkennbares Pseudo-exfoliationssyndrom und je ein zufällig ausgewähltes Auge der Normal-probanden diente als Kontrolle. Die Papillenfläche wurde morpho-metrisch an Hand von 15° Diapositiven der Papille ermittelt.
Ergebnisse: Im intraindividuellen Vergleich innerhalb der Glaukom-gruppe unterschied sich die Papillenfläche nicht signifikant zwischen dem Auge mit Pseudoexfoliationssyndrom und dem kontralateralem Auge ohne klinisch erkennbares Pseudoexfoliationssyndrom (2,45 ± 0,51 mm² versus 2,55 ± 0,60 mm², P=0,17, Student-t-Test für gepaarte Stichproben; 95% CI der Differenz: -0,24 bis +0,05 mm²). Entsprechend unterschieden sich die Augen mit Pseudoexfoliationssyndrom nicht signifikant in der Papillenfläche von den Normalaugen (Normalaugen: 2,55 ± 0,48 mm², P=0,42, Student-t-Test für unabhängige Stichproben; 95% CI für den Unterschied: -0,37 bis +0,16 mm²).
Schlußfolgerung: Die Ausprägung von Pseudoexfoliationssyndrom bei Patienten mit asymmetrischer oder klinisch unilateraler Ausprägung scheint unabhängig von der Papillenfläche zu sein. Im Gegensatz zu früheren Studien scheint Offenwinkelglaukom bei Pseudoexfoliations-syndrom nicht mit einer kleinen Papille assoziiert zu sein.
Augenklinik mit Poliklinik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen