C. Cursiefen, F. Horn, M. Korth
Hintergrund: Bei Affen mit experimentellem einäugigen Glaukom wurde gezeigt, daß ein photopisches negatives Nachpotential nach der positiven B-Welle im Blitz-ERG im Vergleich zum gesunden Gegenauge deutlich vermindert ist bzw. fehlt. Ziel dieser Studie war es herauszufinden, ob dies auch für menschliche Glaukompatienten gilt.
Methoden: Photopische Ganzfeld-Blitz-ERGs wurden aufgezeichnet nach 30 min Dunkeladaptation und nachfolgender 10 min Adaptation an eine schwache photopische Hintergrundbeleuchtung (29.7 cd/m2) mit maximal dilatierten Pupillen. Es wurden zwei Reizbedingungen untersucht: Bei Reizbedingung I wurden 10 weiße Xenon-Blitze (Blitzintensität 0.00587 cds/m2) auf einem weißen Hintergrundslicht (Glühlicht) von 0.47 cd/m2 gemittelt. Bei Reizbedingung II wurden 5 rote Ganzfeldblitze auf einem blauen Hintergrund von 0.17 cd/m2 mit einer Blitzintensität von 0.0115 cds/m2 gemittelt. Bei Reizbedingung I wurden 32 Augen von Glaukompatienten (Normaldruckglaukom und primäres/sekundäres Offenwinkelglaukom) und 12 Augen von Kontrollpatienten untersucht (Reizbedingung II: 27 Augen von Glaukompatienten und 10 Augen von Normalprobanden).
Ergebnisse: Die Amplitude des photopischen Nachpotentials war bei Glaukompatienten geringfügig aber nicht signifikant vermindert (Reizbedingung I: -28 ±
29 µV; Reizbedingung II: -17 ±
17 µV) im Vergleich zu Normalprobanden (Reizbedingung I: -42.3 ±
35 µV; Reizbedingung II: -74 ±
108 µV). Die Gipfellatenzen unterschieden sich nicht signifikant zwischen Glaukompatienten und Kontrollen.
Schlußfolgerung: Obwohl die Untersuchungsbedingungen die Bedingungen der Tierversuche imitierten, fand sich bei Glaukompatienten keine signifikante Veränderung des photopischen Nachpotentials im Vergleich zu gesunden Kontrollen. Es fand sich nur eine leichte Verminderung der Nachpotentialamplitude im Vergleich zu den Kontrollen. Die Untersuchung des photopischen Nachpotentials scheint keinen Wert in der Glaukomdiagnostik zu haben.
Augenklinik mit Poliklinik, Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen, Germany
*Mit Unterstützung der DFG (SFB 539)