98.
Jahrestagung der DOG 2000
K 36
Postmortale Bestimmung der Astigmatismusachslage nach
Astigmatismus-orientierter perforierender Keratoplastik (AOpKP)
J. A. Reichelt, G. Grütters, B. Nölle
Hintergrund: Eine Minimierung des postoperativen Astigmatismus nach perforierender Keratoplastik kann bei Kenntnis der Astigmatismusparameter des Spenders und Empfängers und durch entsprechende Ausrichtung des Transplantates erreicht werden (AOpKP). Die postmortale Bestimmung dieser Astigmatismusparameter wird jedoch durch Kachexie des Spenders, Bulbushypotonie und Epithelunregelmäßigkeiten bei längerem Intervall zwischen Todeszeitpunkt und Explantation bzw. nicht vollständig geschlossenen Lidern erschwert. Ziel unserer Untersuchungen war es daher post mortem verschiedene Methoden zur Astigmatismusbestimmung exemplarisch bei einer Patientin mit bekannter Achslage zu prüfen.
Methode: Die 72-jährige Patientin war mit einer AOpKP am rechten Auge versorgt worden, der Nachbeobachtungszeitraum betrug 3 Jahre. Bei somit bds. bekannten Astigmatismusparametern wurden die Bulbi 4,5 h postmortem mit dem Handkeratometer zunächst ohne Tonisierung, dann im palpatorisch normotonen Zustand vor Explanation vermessen. Nach der Explantation wurden beide Bulbi sowohl mit automatisiertem Topographieanalysesystem (TMS-1) als auch keratometrisch unmittelbar vor der Trepanation der Korneoskleralscheiben unter bereits sterilen Arbeitsbedingungen erneut mittels Handkeratometer vermessen.
Ergebnisse / Schlußfolgerung: Durch den Vergleich der verschiedenen Meßmethoden an einem Auge ohne vorherige operative Eingriffe und einem nach perforierender Keratoplastik bei bds. bekannten Astigmatismusparametern konnten wir zeigen, daß die Handkeratometrie im palpatorisch normotonen Zustand dem automatisiertem Topographieanalysesystem und der Keratometrie hinsichtlich der Reproduzierbarkeit und der Genauigkeit der Werte deutlich überlegen ist. Für die Untersuchungen im Rahmen unserer AOpKP-Studie sind diese Ergebnisse von erheblicher Bedeutung, da eine erfolgreiche Minimierung des postkeratoplastischen Astigmatismus nur durch zuverlässige, reproduzierbare Bestimmungen an Spender- und Empfängerhornhaut gelingt.
Klinik für Ophthalmologie der
Christian-Albrechts-Universität Kiel,
Hegewischstraße 2, D-24105 Kiel