98. Jahrestagung der DOG 2000

P 361

Genistein inhibiert die Aktivität des NaKCl-Cotransporters in kultivierten Ziliarepithelzellen

D. Hochgesand, A. J. Augustin, N. Pfeiffer

Einleitung: Der NaKCl-Cotransporter, ein elektroneutraler Ionentransport-mechanismus, trägt in vielen Geweben zu transepithelialen Flüssigkeits-verschiebungen bei. Es gibt Hinweise, daß der Cotransporter im Ziliarepithel wesentlich am Chlorid-Transport von der Stroma- zur Kammer-wasserseite beteiligt ist. Genistein, ein Tyrosinkinase-Inhibitor, hat in Fibroblasten und Endothelzellen einen Einfluß auf die Aktivität des Cotransporters. In dieser Studie untersuchten wir den Effekt von Genistein auf die Aktivität des NaKCl-Cotransporters im Ziliarepithel.

Methoden: Die Untersuchungen wurden an Zellkulturen pigmentierter fetaler humaner Ziliarepithelzellen durchgeführt. Die Aktivität des NaKCl-Cotransporters wurde mittels des Rubidium-Aufnahme-Verfahrens bestimmt, wobei radioaktives Rubidium als Marker für Kalium dient.

Ergebnisse: Exposition der Zellen mit 10-4 M Genistein über 10 min führte zu einer Verringerung der basalen Cotransporter-Aktivität um 40%. Die Wirkung war dosisabhängig. Genistein hatte keinen Einfluß auf die NaK-ATPase. Tyrphostin und Herbimycin, andere Tyrosinkinase Inhibitoren, hatten einen geringeren Effekt auf die Cotransporteraktivität. Die Stimulation des Cotransporters durch Isoproterenol (b -adrenerger Agonist), bzw. durch Calyculin A (Protein Phosphatase Inhibitor) konnte durch Genistein nicht blockiert werden. Der inhibierende Effekt von Phorbolmyristatacetat (PMA) wurde durch Genistein verstärkt.

Diskussion: Tyrosinkinasen sind neben den bereits bekannten Protein Phosphatase 1, Protein Kinase C (PKC) und der cAMP-Kaskade an der Regulation des NaKCl-Cotransporters in Ziliarepithelzellen beteiligt. Der Tyrosinkinase Inhibitor Genistein führt im Zellkulturmodell zu einer deutlich verminderten Aktivität des NaKCl-Cotransporters. Da der Cotransporter zum Ionentransport in Richtung Kammerwasser beiträgt, ist Genistein ein möglicher Kandidat zur Hemmung der Kammerwasserproduktion in vivo.

Augenklinik, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Langenbeckstr. 1, D-55101 Mainz



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