98. Jahrestagung der DOG 2000

P 362

Ausmaß der glaukomatösen Sehnervenschädigung in Abhängigkeit von einer positiven Glaukomfamilienanamnese

J. K. Hayler

Hintergrund: Eine positive Familienanamnese gilt als ein Hauptrisikofak-tor für die Entwicklung eines Glaukoms. Das Ziel dieser Studie war es festzustellen, ob sich Patienten mit oder ohne Glaukomfamilienanamnese hinsichtlich des Ausmaßes der glaukomatösen Schädigung unterscheiden.

Methode: 654 Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom wurden kon-sekutiv untersucht (328w,326 m; Alter 63,3± 12,9 Jahre). Alle Patienten wurden nach bekanntem Glaukom von Familienangehörigen befragt. 15° Stereofarbdiapositive der Papille wurden morphometrisch ausgewertet.

Ergebnisse: Patienten mit Glaukom(n=148/654= 22,6%) und Patienten ohne Glaukom in der Familienanamnese(n=506/654=77,4%) unter-schie-den sich statistisch nicht signifikant (Mann-Whitney-Test) in Bezug auf die Fläche des neuroretinalen Randsaums (0,96±0,53 mm2 versus 0,87±0,51 mm2; P=0,09), der Papille (2,68±0,66 mm2 versus 2,70±0,75 mm2; P=0,81) und der parapapillären Atrophie Zone Beta (0,80±1,54 mm2 ver-sus 0,93±1,47 mm2; P=0,22), in der Häufigkeit von Papillenrandblutungen (10/148=6,8% versus 21/506=4,2%; P=0,19; Chi-Quadrat-Test) und im mittleren Gesichtsfeldverlustes (9,67±7,16 dB versus 9,87±7,08 dB; P=0,85).

Diskussion: Im Gegensatz zu bisherigen Berichten, in denen eine positive Glaukomfamilienanamnese mit der Prävalenz von Glaukom assoziiert ist, scheint eine bekannte Glaukomfamilienanamnese statistisch unabhängig vom Ausmaß des glaukomatösen Optikusschadens zu sein. Vernachläs-sigt man einen möglichen Selektionsartefakt durch die Auswahl der Pati-enten, könnte man postulieren, daß eine positive Familienanamnese mög-licherweise keinen signifikanten Risikofaktor für das Fortschreiten des Glaukoms darstellt. Dies unterstützt eine Studie von Quigley et al., die keinen Zusammenhang zwischen einer Glaukomfamilienanamnese und der Entwicklung von Gesichtsfeldausfällen in Patienten mit okulärer Hy-pertension gefunden haben (Arch Ophthalmol 1994; 112: 644-649).

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen



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