98. Jahrestagung der DOG 2000
P 369
Lidaussparende Exenteratio bei Pseudotumor orbitae klinisch-pathologische Korrelation einschließlich MRT-Befunde
F. Colombo, A. Viestenz, L. M. Holbach
Einleitung: Der Pseudotumor orbitae zählt zu den häufigsten Ursachen eines Exophthalmus. Ein gutes Ansprechen auf Kortikosteroide ist charakteristisch. Eine Exenteratio orbitae ist nur selten erforderlich.
Patient und Methoden: Eine 67-jährige Patientin stellte sich vor wegen eines seit 10 Wochen periorbital ausstrahlenden, linksseitigen Gesichtsschmerzes und geröteten Auges. Trotz analgetischer Therapie und Applikation topischer und systemischer Steroide persistierte der Schmerz. Anamnestisch hatte die Patientin vor 3 Jahren am linken Auge eine anteriore noduläre Skleritis, und 4 Jahre zuvor wurde eine linksseitige Facialisparese als diabetische Mononeuropathie diagnostiziert.
Ergebnisse: Die augenärztliche Untersuchung zeigte ein erblindetes linkes Auge mit einem interkalaren Staphylom nasal und oben sowie eine mature Katarakt. Links war die Motilität aufgehoben, und es bestand eine Proptosis von 3 mm. Im MRT imponierte ein diffuser intrakonaler Prozess der linken Orbita: hypodens in T1-W und in T2-W mit Aufhellung nach Gadoliniuminjektion. Relevante systemische Grunderkrankungen wurden ausgeschlossen. Es wurde eine lidaussparende Exenteratio orbitae links vorgenommen. Makroskopisch war das orbitale Fett durch dichtes fibröses Gewebe ersetzt. Mikroskopisch fand sich anstelle des orbitalen Fettes ein diffuses lymphoplasmazelluläres entzündliches Infiltrat mit Kollageneinlagerung. Der Bulbus zeigte ein interkalares Staphylom, ein absolutes sekundäres Winkelblockglaukom bei Rubeosis iridis und eine ausgeprägte Uveitis. Postoperativ erholte sich die Patientin schnell und war schmerzfrei.
Schlußfolgerung: Der Pseudotumor orbitae kann gegenüber Kortikosteroiden resistent sein und klinisch einen aggressiven Verlauf zeigen; ist er mit Amaurose und persistierenden Schmerzen assoziiert, kann die Exenteration der Orbita indiziert sein.
Augenklinik mit Poliklinik, Universität Erlangen-Nürnberg,
Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen
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