98. Jahrestagung der DOG 2000

P 370

Primäres orbitales intraossäres Hämangiom

F. Colombo, C. Hofmann-Rummelt, L. M. Holbach

Einleitung: Kavernöse Hämangiome zählen zu den häufigsten orbitalen Raumforderungen. Im Unterschied dazu sind Hämangiome des Knochens selten. Sie stellen weniger als 1% aller Knochentumoren dar. Wenige primäre orbitale intraossäre Hämangiome (POIH) wurden beschrieben. Sie treten meistens in der vierten Lebensdekade auf.

Patient und Methode: Wir berichten über die klinischen, radiologischen und histopathologischen Befunde eines Patienten mit POIH.

Ergebnisse: Ein 75-jähriger Patient stellte sich vor mit einer langsam progredienten, derben, knöchernen Raumforderung am linken inferolateralen Orbitarand. Dieser periorbitale Tumor führte nicht zu Exophthalmus oder Lageveränderung des Bulbus. Die weitere ophthalmologische Untersuchung war unauffällig. Die CT-Aufnahmen zeigten eine knöcherne Läsion im Jochbein mit scharf begrenzter Vorwölbung in die Orbita. Diese Raumforderung wies intern eine radiäre, trabekuläre Struktur, ein "Honigwaben-Muster", auf und zeigte keine Anzeichen destruierenden Wachstums in das benachbarte Gewebe. Vor 10 Jahren wurde er an einem hypernephrom operiert. Über eine laterale Kanthotomie und Kantholyse wurde eine harte, runde, bläuliche bis rötliche Vorwölbung auf dem Orbitaboden dargestellt. Der vorstehende Anteil dieses Tumors wurde mit einer oszilierenden Motorsäge auf normalem Knochenniveau entfernt. Makroskopisch war der Tumor einseitig mit Periost überzogen, durch welches zystische mit Blut gefüllte Hohlräume sichtbar waren. Das darunterliegende Gewebe bestand aus spongiösem, spiculaebildendem Knochen mit Blutzysten. Mikroskopisch zeigte der Tumor multiple, große, dünnwandige Gefäße, welche mit Blut gefüllt und von knöchernen Trabekeln umgeben waren.

Schlußfolgerung: POIH sind seltene Tumoren, die bei älteren Patienten auftreten können. Radiologisch sind eine radiäre, trabekuläre Struktur und/oder ein "Honigwaben-Muster" ohne Anzeichen destruierenden Wachstums in das benachbarte Gewebe Hinweise auf ein intraossäres Hämangiom.

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen



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