98. Jahrestagung der DOG 2000

P 375

Cholesteringranulom – seltener zystischer Orbitatumor

J. Kraft

Cholesteringranulome der Orbitaknochen sind seltene Läsionen, die typischerweise im Bereich des Os frontale oberhalb der Fossa lacrimalis entstehen. Sie können erhebliche Größenausdehnungen annehmen und mit Schmerzen einhergehen. Die Pathogenese ist bislang nicht vollständig geklärt, neben traumatischer Entstehung werden Anomalien der Diploe mit konsekutiver Blutung als Ursache angenommen.

Kasuistik: Drei männliche Patienten (37, 39 und 61jährig) stellten sich mit einer seit durchschnittlich 11 Monaten bestehenden, in 2 Fällen mit retrobulbärem Druckgefühl und Schmerzen einhergehenden, einseitigen Protrusio bulbi vor. Klinisch zeigte sich ein Exophthalmus (3-6mm) und Motilitätsstörungen. Echosonographisch wurde eine, in der oberen Orbita gelegene, scharf begrenzte, niedrig- bis mittel-reflektive Raumforderung nachgewiesen. Klinische und computertomographische Differentialdiagnosen waren: Dermoid, Mukozele, Adenom oder Karzinom der Tränendrüse. Die Therapie bestand in allen Fällen in einer Orbitotomie (2x laterale, 1x obere) mit Tumorentfernung. Intraoperativ zeigte sich bei allen Patienten ein subperiostal gelegener zystischer Tumor, aus dem sich gelbliches zähes bis brökeliges Sekret entleerte. Zeichen einer granulomatösen Entzündung mit Histiozyten und mehrkernigen Riesenzellen im Bereich der Osteolysen sowie Residuen alter Blutungen führten zur Diagnose Cholesteringranulom. Dies weißt auf die vermutete Pathogenese der traumatischen oder Anomalie bedingten Blutung mit konsekutiver granulomatöser Entzündung als Ursache der Cholesteringranulome hin
. Rezidive sind bis dato nicht aufgetreten.

Schlußfolgerung: Bei orbitalen Raumforderungen im superotemporalen Bereich mit Knochenarrosion muß, insbesondere bei positiver Traumaanamnese, differentialdiagnostisch an ein Cholesteringranulom der Orbita gedacht werden.

Universitätsaugenklinik Würzburg, Josef-Schneider-Str. 11, D - 97080 Würzburg



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