98. Jahrestagung der DOG 2000

K 389

Lidverletzungen – epidemiologische Aspekte

H. Herzum, P. Holle, C. Hintschich

Einleitung: Epidemiologische Daten über Verletzungen der Augenlider sind nur spärlich zu finden. Daher führten wir eine retrospektive Untersuchung über Ursachen und Folgen von Lidverletzungen durch.

Methode: Analysiert wurden die Krankenakten von 180 Patienten, die zwischen 1994-98 wegen Verletzungen im Lidbereich operativ versorgt wurden. Verletzungsmechanismen wurden in 10 Kategorien eingeteilt. Berücksichtigt wurden die klinischen Befunde an Lidern und Bulbus, die chirurgische Versorgung sowie Komplikationen im Heilverlauf.

Ergebnisse: Von 180 Patienten erlitten 96 ein stumpfes Trauma. Bei 30 Patienten wurde dieses verursacht durch Sturz, bei 23 durch Gewalt bei tätlichen Auseinandersetzungen, bei 21 durch manuelle Tätigkeiten, bei 7 als Folge eines VehrkehrsunFalls und bei 6 Patienten durch Sportunfälle. Von den 26 Schnittverletzungen, die durch Glas verursacht wurden, waren 12 auf zerbrochene Brillengläser, 8 auf Stürze, 4 auf Gewalttätigkeiten sowie nur zwei auf Autounfälle zurückzuführen. Die verbleibenden 58 Patienten erlitten meist triviale Verletzungen unterschiedlicher Ursache. Klinisch zeigten 85 Patienten Verletzungen des Oberlids, 55 des Unterlids und 40 Verletzungen beider Lider. Die Lidkante war bei 43 Patienten betroffen, das Tränenwegssystem bei 28. Bei 34 Patienten war die Wunde verschmutzt, bei 19 Patienten fand sich ein Fremdkörper, bei 13 Gewebeverlust. 16 Patienten hatten begleitende Gesichtsverletzungen, 79 Patienten Bulbusverletzungen. Letztere waren in 31 Fällen oberflächlich, in 36 Fällen kombiniert mit einer Kontusio bulbi, in 12 Fällen mit einer Perforation oder Ruptur des Bulbus sowie in 4 Fällen mit knöchernen Orbitafrakturen. Die durchschnittliche Zeit zwischen Verletzung und operativer Wundversorgung lag bei 3,3 Stunden. 100 Patienten benötigten einfache Hautnähte, 26 eine zusätzliche Versorgung subkutaner Gewebe (M. orbicularis, M. levator). Bei 43 Patienten erfolgte eine Lidkantennaht, bei 24 eine Versorgung der Tränenwege. Nur ein Patient entwickelte im Verlauf eine Nekrose, ein weiterer ein Infektion.

Schlußfolgerungen: Unsere Daten zeigen bei 24% der Lidverletzungen eine Beteiligung der Lidkante, bei 16% des Tränenwegssystem. Darüberhinaus findet sich bei einem hohen Prozentsatz (44%) der Patienten mit Lidverletzungen eine Mitverletzung des Bulbus. Diese Ergebnisse unterstreichen die Forderung nach einer Primärversorgung von Lidverletzungen durch den Augenarzt, wenngleich auch schwierigere Ersteingriffe und frühe Komplikationen relativ selten sind.


Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München , Mathildenstr. 8, 80336 München



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