98. Jahrestagung der DOG 2000

K 390

Oberlidverlängerung – ein modifiziertes OP-Verfahren

C. Hintschich, H. Herzum

Einleitung: Die Korrektur einer Oberlidretraktion bei endokriner Orbitopathie ist oft schwierig, da das postoperative Ergebnis nicht einfach vorhersehbar ist und neben der angestrebten Lidhöhe auch Lidkonfiguration und Lidfurchenhöhe problematisch sind. Vorgestellt wird eine vereinfachte Operationsmethode zur Oberlidverlängerung, die einige dieser Probleme vermeidet.

Methode: Die Operationsmethode wird in einem kurzen Video dargestellt. In Lokalanästhesie werden über einen transkutanen Zugang alle Lidschichten - meist einschließlich der Konjunktiva tarsi - durchtrennt, bei ausgeprägter Retraktion auch das temporale Horn. Präparation nach kaudal oder proximal wird vermieden. Die Dosierung erfolgt am sitzenden Patienten und bedarf nur geringer Überkorrektur. Zügelnähte oder Interponate werden nicht verwendet, der Wundverschluß besteht aus einer fortlaufenden Hautnaht. Postoperativ kann die endgültige Lidhöhe durch Zug am Oberlid und Massage beeinflußt werden. Derart wurden 33 Oberlider von 23 Patientinnen mit endokriner Orbitopathie vom selben Operateur operiert, ein Drittel davon ambulant. Prä- und postoperativ wurden Lidspaltenweite, Ausmaß der Retraktion und Lidfurchenhöhe bestimmt. Die Nachuntersuchungszeit betrug 1 - 11 Monate.

Ergebnisse: Präoperativ betrug das Ausmaß der Retraktion 1 bis 6 mm. Bei 30 von 33 Lidern (91%) lag die postoperative Lidhöhe innerhalb einer Abweichung von +/- 1 mm von der angestrebten Höhe, ein Lid war überkorrigiert (Ptosis), zwei Lider waren unterkorrigiert. Bei 29 Lidern blieb die Lidfurchenhöhe unverändert. Erscheinungsbild und subjektive Beschwerden waren bei 22 von 23 Patienten verbessert, das Ergebnis insgesamt wurde bei 4 Patienten als sehr gut, bei 14 als gut und bei 5 Patienten als mäßig beurteilt. Bei einer Patientin trat in der ersten post-op Woche eine Wunddehiszenz auf. Bei keiner Patientin trat eine Sicca-Symptomatik auf.

Schlußfolgerungen: Die dargestellte Operationsmethode ist technisch einfach ambulant durchführbar und ermöglicht dennoch auch die Korrektur ausgeprägter Lidretraktionen bei endokriner Orbitopathie. Die Lidhöhe kann postoperativ noch beeinflußt werden, die Lidfurchenhöhe bleibt überwiegend erhalten. Die Methode stellt damit eine gute Alternative zu den üblicherweise aufwendigeren Verfahren zur Oberlidverlängerung dar mit relativ guter Vorhersehbarkeit des Ergebnisses.


Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, Mathildenstr. 8, 80336 München



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