98. Jahrestagung der DOG 2000

V 395

20-MHz-Ultraschallechografie der Tränenwege

F. Tost, R. Bruder, S. Clemens

Einleitung: Bei der bildgebenden Untersuchung der präsakkalen Tränennasenwegsstrukturen war die Sonografie bislang von untergeordneter Bedeutung, da sie bei hohem Untersuchungsaufwand nur eine vergleichsweise geringe Abbildungsqualität erreichte. Der hochauflösende Ultraschall bietet mit dem 20-MHz-Sektorscanner wesentlich günstigere Vorraussetzungen für eine echografische Beurteilung der Tränenkanäle.

Methoden: Wir untersuchten insgesamt 20 Patienten mit Erkrankungen der ableitenden Tränenwege sonografisch. Zur bildgebenden Darstellung der präsakkalen Tränenwege einschließlich von Anteilen des Saccus lacrimalis stand ein 20-MHz-Sektorscanner in Kombination mit dem Ultraschall-diagnostikgerät I3 zur Verfügung. Nach Lagerung des Patienten erfolgte die Immersionsankopplung der 20-MHz-Sonde über Methylcellulose. In der Regel war die Instillation eines Viskoelastikum (Healon®) in den Canaliculi lacrimales zur Verifizierung der Leitstrukturen notwendig.

Ergebnisse: Der hochauflösende Ultraschall gestattete bei allen untersuchten Patienten eine Darstellung der ableitenden präsakkalen Tränenwege. Perikanalikulär konnten mit der 20-MHz-Sonde quer um den Tränenkanal verlaufende Gefäßabschnitte beobachtet werden. Ohne Viskoelastika gelang sonografisch der Nachweis pathomorphologischer Veränderungen bei der Kanalikulitis oder dislozierten Punctum-Plugs. Höher reflektive Strukturen als Hinweis auf eine Konkrementbildung (Drusen) und ein ektatisch erweiterte Tränenkanal waren sonografisch in guter Abbildungsqualität bei der chronischen Kanalikulitis erfassbar.

Diskussion: Die hochauflösende 20-MHz-Sonografie kann als bildgebende Methode zur Beurteilung der präsakkalen Tränenwege eingesetzt werden. Im Vergleich zum Ultraschallbiomikroskop erlaubt die Abbildungsgeometrie der 20-MHz-Sonde eine Untersuchung mit höherer Eindringtiefe bei etwas geringerem Auflösungsvermögen. Bei der Kanalikulitis gibt der hochauflösende Ultraschall relevante Hinweise für die klinische Diagnose. Inwieweit das Verfahren Aussagen zu den pathophysiologischen Abläufen bei der funktionellen Tränenwegs-insuffizienz treffen könnte, bleibt abzuwarten.

Augenklinik, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Rubenow-Str. 2, D–17487 Greifswald



Zurück