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A. H. Heuring1,2, W. W. Hütz2, H. B. Eckhardt2
Hintergrund: Die Nephropathia epidemica (NE) gehört zur Gruppe der hämorrhagischen Fieber mit Nierenbeteiligung und wird durch das Puumala-Virus, einen Hantavirus-Subtyp, verursacht. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Tröpfcheninfektion über kontaminierten Speichel, Urin und Stuhl der Rötelmaus. Initial kommt es zu einer grippeähnlichen Symptomatik, 410 Tage später zur Nierenbeteiligung mit Proteinurie, Mikrohämaturie und Oligurie. Extrarenale Symptome sind Meningoenzephalitis, Karditis und Hepatitis, ophthalmologisch können Lidödem, konjunktivale Injektion/Blutung, Chemosis, Iritis, Anisokorie, Diplopie, retinales Ödem, Veränderungen im Augeninnendruck, vor allem aber ein "myopic-shift" beobachtet werden, den der Patient als Visusminderung wahrnimmt.
Fallbeschreibung: Ein vorher gesunder 41-jähriger Mann entwickelte hohes Fieber in Verbindung mit starken Cephalgien. Aufgrund einer einsetzenden akuten Niereninsuffizienz wurde er stationär aufgenommen und wenige Tage später mit einer plötzlichen Visusminderung am LA in der Augenklinik vorgestellt. Serologisch wurde eine frische Puumala-Virus-Infektion festgestellt. Bei Erstvorstellung erreichte der Patient am RA sc = 1,0, am LA mit 3,25 D = 0,63, bei vorheriger Emmetropie und vollem" Visus. Spaltlampenmikroskopisch fiel links gegenüber rechts eine deutliche Vorderkammerabflachung auf. Im Ultraschallbild bestätigte sich die reduzierte Vorderkammertiefe, ursächlich lag eine massive chorioidale Effusion zu Grunde, die zu einer Vorverlagerung des Iris-Linsen-Diaphragmas geführt hatte. 3 Tage später war der Visus links angestiegen, bei gleichzeitiger Reduzierung der Myopie (-2,5D = 0,8). 3 Wochen später erreichte der Patient wieder sc = 1,0, die Vorderkammertiefe war jetzt sowohl spaltlampenmikroskopisch, als auch im A-Scan wieder normalisiert. Im Vergleich zum Akutstadium bestand eine um 0.2 mm reduzierte Linsendicke, eine chorioidale Effusion war nicht mehr nachweisbar.
Schlußfolgerung: Ophthalmologische Komplikationen sind bei der NE nicht ungewöhnlich, dafür aber sehr eindrucksvoll. Obwohl in unserem Fall eine streng einseitige Manifestation vorlag, kann die systemische Infektion mit ihren ausgeprägten Wasser- und Elektrolytverschiebungen als ursächlich für die beschriebenen Veränderungen angesehen werden.
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Klinik für Augenheilkunde, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg