98. Jahrestagung der DOG 2000
P 403
Fehldiagnosen und immunsuppressive Behandlung von Uveitiden bei Syphilis
A. Walter, V. Knospe
Einleitung: Wir analysierten das Diagnosenspektrum sowie die Faktoren, die zur Fehldiagnose und Behandlung bei okulärer Organmanifestation einer Syphilis unter Berücksichtigung der Kriterien der CDC Studie führten.
Patienten: Wir berichten über 16 Patienten unseres Klinikpatientenguts (13 männlich, 3 weiblich, Alter 25-70, Durchschnittsalter 45 Jahre) mit den Einweisungsdiagnosen retinale Vaskulitis (5 Patienten, 10 Augen), Neuritis nervi optici (8 Patienten, 15 Augen), Optikusatrophie (3 Patienten, 6 Au-gen), Chorioiditis, Chorioretinitis oder Choriokapillaritis (3 Patienten, 5 Au-gen), Iritis (2 Patienten, 3 Augen), Keratouveitis mit Hornhautpräzipitaten (3 Patienten, 5 Augen), Gesichtshautläsionen (1 Patient). Fehldiagnosen wa-ren Sarkoidose, Morbus Behcet, allergisches Exanthem, Ptosis, Horner-Syndrom, Vaskulitis, Konjunktivitis, Nachtblindheit, Retinopathia zentralis serosa, Chorioretinitis, Gesichtsfelddefekte, Meningoenzephalitis. 10 Patienten waren HIV-2 serokonvertiert (2 Patienten mit Erstdiagnose), 1 Patient serokonvertiert für Syphilis drei Wochen nach Erstvorstellung. Eine intensive immunsuppressive Behandlung führte bei einem Patienten zu einer Aspergillus-Septikämie sowie bei einem zweiten Patienten zu einer renalen tubulären Insuffizienz mit arterieller Hypertonie ohne Rückgang der intraokularen Entzündungszeichen. Die Entzündungen wurden bei allen Patienten nach einer Standardtherapie mit Ceftriaxon i.v. rezidivfrei ausgeheilt.
Diskussion: Unsere Studie zeigt, daß die Syphilis weiterhin bei den Diffe-rentialdiagnosen der intraokularen Entzündungen berücksichtigt werden muß. Eine Follow-up-Untersuchung sollte auch bei negativer Syphilisse-rologie sowie HIV-Serologie erfolgen. Der labordiagnostische Begriff einer Spontanheilung" sollte bei einer Organmanifestation hinterfragt werden.
Universitäts-Augenklinik
Hamburg-Eppendorf, Martinistr.52,
D-20251 Hamburg
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