98. Jahrestagung der DOG 2000

K 411

Intraokulare Non-Hodgkin-Lymphome

M. Zierhut, G. Duncker*, J. M. Rohrbach

Hintergrund: Das intraokulare non-Hodgkin-Lymphom (NHL) stellt eine in diagnostischer und therapeutischer Hinsicht sehr problematische Erkrankung dar, die mit ZNS-Beteiligung einhergeht und eine hohe Letalität aufweist.

Patienten: In den Univ.-Augenkliniken Tübingen und Halle wurden von 1997 bis 1999 sechs Patienten mit einem intraokularen NHL mit ZNS-Beteiligung betreut.

Ergebnisse: Das Alter der Patienten reichte von 46 bis 70 Jahren, das Geschlech-terverhältnis war mit 3 : 3 ausgeglichen. Bei allen Patienten waren okuläre Symptome vor den ZNS-Symptomen aufgetreten (Latenzzeit bis 17 Monate). Der erste okuläre Befund imponierte zunächst als intermediäre Uveitis (3 Patienten) oder als Panuveitis (2) bzw. Verdacht auf Aderhautmetastase (1). Die Glaskörperpunktion (n = 4) zeigte nur bei einer Patientin atypische Zellen, bei zwei weiteren Patienten jedoch ein Interleukin 10- : Interleukin 6-Verhältnis von > 1. Die Diagnosesicherung erfolgte bei einem Patienten über die Histologie des enukleierten Auges, bei zwei weiteren Patienten über stereotaktische Gehirnbiopsien. Alle Patienten zeigten ein hochmalignes NHL der B-Zell-Reihe. Die besten kurzzeitigen Ergebnisse ergab die Kombination aus Bestrahlungs- und zytostatischer Therapie, jedoch verstarben zwei der Patienten im Behandlungszeitraum.

Diskussion: An ein intraokulares NHL sollte stets gedacht werden, wenn ein intraokularer Reizzustand nicht adäquat auf Kortikosteroide reagiert. Während der Nachweis atypischer Zellen aus dem Glaskörper wohl stark von der begleitenden Therapie (Kortikosteroide) abhängig ist, hat sich bei unseren Patienten die Bestim-mung des IL-10- : IL-6-Verhältnisses als wegweisend erwiesen. Therapeutisch wird für das ZNS-Lymphom derzeit eine MTX i.v.-Gabe (2 g) empfohlen. Diese führte jedoch bei unseren Patienten zu keiner vollständigen Remission.

Universitäts-Augenklinik, Schleichstr. 12, D-72076 Tübingen

*Universitäts-Augenklinik, Magdeburger Str. 8, D-06097 Halle/Saale



Zurück