98. Jahrestagung der DOG 2000
R 437
Genotyp-Phänotyp-Korrelationen: Neue Ansprüche an die Bestimmung des Phänotyps
B. Lorenz
Da einerseits eine Vielzahl unterschiedlicher Gene zu klinisch ähnlichen Netzhautdystrophien führt (Locus-Heterogenität) und andererseits Mutationen im gleichen Gen unterschiedliche Phänotypen bedingen können (allelische Heterogenität), muß für eine effiziente Genotyp-Phänotyp-Korrelation eine möglichst genaue Phänotypisierung erfolgen. Ziel ist, sowohl die strukturellen Veränderungen in hoher Ortsauflösung zu erfassen als auch die pathophysiologischen Vorgänge präzise zu beschreiben. Dies ist auch Voraussetzung für in Zukunft möglich werdende Therapiestudien.
Strukturelle Untersuchungen: Die Biomikroskopie einschließlich der Foto-dokumentation und der Angiographie behält ihre zentrale Bedeutung. An neueren Methoden ist die Messung der Autofluoreszenz zu nennen, die die Verteilung von Lipofuszin und ähnlichen Substanzen widerspiegelt. Die Optical Coherence Tomography (OCT) ermöglicht in vivo Schnittbilder der Netzhaut.
Elektrodiagnostik: Für das EOG, Ganzfeld-ERG, Muster-ERG und VEP sind Standards entwickelt worden. Die a-Wellen-Analyse erfaßt die Photorezeptorfunktion genauer. Durch Stimulation mit langen Blitzen kann zwischen Störungen der on- und off-Bipolarzellen unterschieden werden. Das multifokale ERG erlaubt die Kartierung elektroretinographischer Aktivität.
Psychophysik: Die klassische statische und kinetische Perimetrie erfaßt im wesentlichen das Zapfensystem. Mit der dunkeladaptierten Zweifarben-Peri-metrie wird die unterschiedliche Beeinträchtigung des Stäbchen- und Zapfen-systems räumlich aufgelöst dargestellt. Die Messung der Dunkeladaptation beschreibt die Kinetik der Dunkelanpassung von Zapfen und Stäbchen.
Netzhautdystrophien werden durch ein statisches Bild des FunktionsausFalls nicht ausreichend beschrieben. Serielle Untersuchungen über Jahre sind erforderlich. Dazu kommt, daß bei gleichem Gendefekt der Verlauf keines-wegs gleich sein muß, da andere Gene und exogene Faktoren den Phänotyp beeinflussen können. Grenzen der Phänotypisierung ergeben sich aus der immer noch begrenzten Auflösung der Methoden, der Compliance der Patienten insbesondere im Rahmen von Longitudinalstudien und dem hohen finanziellen Aufwand für die Untersuchung größerer Patientenkollektive.
Abteilung für Kinderophthalmologie, Strabismologie und Ophthalmogenetik, Klinikum der Universität Regensburg, D - 93042 Regensburg
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