98. Jahrestagung der DOG 2000

R 441

Grundlagen der Autoimmunität - Basis Principals in Autoimmunity

G.-R. Burmester

In dem kurzen Referat sollen die wichtigsten Grundlagen der Autoimmunität dargestellt werden. Die Autoimmunerkrankungen gehören heute zu den herausforderndsten Krankheitsbildern, die von Störungen einzelner Organfunktionen bis zu hin zu massiven systemischen Manifestationen reichen. Bei vielen Autoimmunerkrankungen ist eine genetische Grundlage vorhanden, die überwiegend im Bereich der Haupthistokompatitibilität liegt, beim Menschen im Bereich der HLA-Gene auf dem Chromosom 6. Zudem sind zahlreiche andere Gene beteiligt, so Immunoglobulin-Gene, Komplementpolymorphismen, Promoterregionen bei Zytokinen und anderen. Die Genetik macht jedoch selbst bei Erkrankungen mit hoher Konkordanz (zum Beispiel: systemischer Lupus erythematodes) nur einen Anteil von ca. 30% an der Krankheitsentstehung aus. Es müssen also zusätzliche Faktoren zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen hinzutreten. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Autoimmunphänomene physiologischer Weise auch bei gesunden Personen regelhaft beobachtet werden. Hierzu können Rheumafaktoeren und antinukledre Antikörper in niedriger Titerstufe gehören, selbst bei der T-zellulären Reaktion sind in vitro leicht Reaktivitäten gegen körpereigene Bestandteile zu verzeichnen. Dies zeigt an, daß in der vorgeburtlichen Phase trotz einer enormen Selektion im Thymus Zellen mit autoimmuner Potenz in die Zirkulation entlassen werden. Hier greifen dann die sogenannten peripheren Regulationsmechanismen, die die Toleranz im Immunsystem aufrechterhalten und verhindern, daß aus physiologischen Autoimmunreaktionen autoaggressive Vorgänge resultieren. Werden diese Regulationsmechanismen gestört, kommt es zur eigentlichen Autoagressivität mit nachfolgenden Autoimmunerkrankungen. Neben den genetischen Vorgängen muß dabei infektiösen Vorgängen eine wesentliche Rolle zukommen. Hierbei handelt es sich in aller Regel nicht um klar definierte Infektionskrankheiten, in deren Folge eine Autoimmunität auftritt, sondern viel mehr nehmen wir an, daß eine Kaskade von infektiösen Ereignissen schließlich zu einer Durchbrechung der Toleranz führen und die Regulationsmechanismen verstellt. Hier werden insbesondere Mechanismen der molekularen Mimikry, d.h. eine "Verwechslung" des Immunsystems von körpereigenen Substanzen mit Bestandteilen infektiöser Erreger angenommen. Ausnahmen für klar definierte Infektionserkrankungen bilden jedoch die reaktiven Arthritiden, wobei im Gefolge von urogenitalen Infektionen Entzündungsvorgänge sowohl im Gelenk als auch am Auge auftreten können.

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Charité, Humboldt-Universität zu Berlin, Schumannstraße 20-21, D - 10117 Berlin



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