R 450
K. Ludwig
Einleitung: Akkommodation wird wesentlich durch das dreidimensionale Zusammenspiel von Linse, Zonulaapparat, Ziliarmuskel und dessen elastischer Aufhängung bestimmt. Der Zonulaapparat übersetzt dabei als dreidimensionales, elastisches Fasergerüst die akkommodative Verformung und Bewegung des Ziliarmuskels in eine entsprechende Verformung der Linse. Der detaillierte Ablauf dieses Zusammenspiels ist bis heute Gegenstand wissenschaftlichen Disputs, nicht zuletzt deshalb, weil unter natürlichen Bedingungen die wichtigsten Komponenten des akkommodativen Systems der Beobachtung in vivo schwer zugänglich sind.
Methoden: Licht- und elektronenmikroskopische in-vitro-Befunde und hochauflösende in-vivo-Untersuchungsverfahren wie die Scheimpflug-Fotographie oder neuerdings die hochauflösende Ultraschall-Biomikroskopie erlauben strukturelle Aussagen zur Architektur des Zonulasystems und geben Hinweise zu seiner Dynamik im Rahmen von Akkommodationsvorgängen.
Ergebnisse: Der größte Abschnitt der elastischen Zonulafasern breitet sich als breiter Faserteppich zwischen Ora serrata und den von Rohen und Rentsch erstmals beschriebenen Stützfasern aus. Der kürzere vordere Zonulaabschnitt inseriert in Form von Bändern periäquatorial, zu einem kleineren Teil auch äquatorial, unter verschiedenen Ansatzwinkeln an der Linsenkapsel. Der Linsenäquator als Kräfteresultante der angreifenden Kräfte liegt anterior des Linsenzentrums.
Diskussion: Die hinteren Zonulafaseranteile zwischen Ora serrata und dem Ziliarmuskelapex könnten eine wichtige Rolle für zusätzliche elastische Rückstellkräfte auf die inneren Ziliarmuskelgruppen spielen. Der vordere Zonulaabschnitt bewirkt eine differenzierte, rotationssymmetrische Kraftübertragung auf die periphere Linsenkapsel. Die Lage des Linsenäquators anterior des Linsenzentrums sollte unter Einwirkung nahakkommodativer Kräfte zu einer Kompression überwiegend der vorderen Linsenrinde führen und kann somit die beobachtete asphärische Verformung der Linsenvorderfläche unter Nahakkommodation erklären.
Augenklinik, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Innenstadt, Mathildenstr. 8, D - 80336 München