98. Jahrestagung der DOG 2000

S 490

Neue Ansätze zur Bewertung der Lysetherapie bei retinalen Gefäßverschlüssen

L.-O. Hattenbach, H. Gümbel, F. Koch, C. Ohrloff

Obwohl seit Jahrzehnten immer wieder in Kasuistiken oder kleineren Pilotstudien zur Behandlung retinaler Gefäßverschlüsse ein positiver therapeutischer Effekt durch die Anwendung von Fibrinolytika beschrieben wird, liegt bis heute keine verläßliche prospektive Untersuchung vor, mit der die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit einer Fibrinolysetherapie bei arteriellen oder venösen retinalen Gefäßverschlüssen eindeutig nachgewiesen worden wäre.

Während die Anwendung von fibrinolytisch wirksamen Substanzen wie Urokinase, Streptokinase oder rekombinanter Gewebsplasminogen-aktivator (rt-PA) für eine kausale Therapie dieser schwer zu behandelnden okulären Erkrankungen grundsätzlich geeignet scheint, besteht in dem mit der systemischen Gabe von Fibrinolytika verbundenen hämorrhagischen Risiko ein wesentliches Problem. Eine Anwendung aus ophthalmologischer, nicht-vitaler Indikation gilt daher prinzipiell als umstritten.

Aus dieser Problematik ergibt sich die Notwendigkeit weiterer Studien zur Erstellung von Richtlinien für die systemische Anwendung von Fibrinolytika zur Behandlung von Netzhautgefäßverschlüssen. Im Hinblick auf eine größtmögliche Sicherheit und Wirksamkeit steht dabei vor allem die Erarbeitung einheitlicher Indikationskriterien und Therapieschemata im Vordergrund. Wir berichten über eine laufende prospektive randomisierte multizentrische Studie, mit der die Wirksamkeit einer niedrigdosierten Lysetherapie mit rt-PA im Vergleich zur Hämodilution bei ischämischen venösen retinalen Verschlüssen untersucht werden soll. Aufbauend auf den bisher mit dieser Studie gewonnenen Erfahrungen sowie unter Berücksichtigung der Ergebnisse anderer Untersucher wird ein Konzept zur Durchführung zukünftiger Studien erstellt, die zur Beurteilung der Wirksamkeit der Thrombolyse bei retinalen Gefäßverschlüssen beitragen sollen.

Klinik für Augenheilkunde, Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, D - 60590 Frankfurt am Main



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