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Medikamentöse und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten bei retinalen VenenastverschlüssenU. Mester
Einleitung: Retinale Venenastverschlüsse sind die zweithäuftigste vaskuläre Gefässerkrankung der Netzhaut nach der diabetischen Retinopathie. In 50-75 % der Fälle führen sie zu drastischem Funktionsverlust, in 20-30 % zu Spätschäden durch vasoproliferative Veränderungen, die zum Verlust des Augen führen können. Der spontane Verlauf bei initial schlechtem Visus (£
0,1) ist in der Regel ungünstig. Die bisherigen therapeutischen Möglichkeiten sind umstritten oder lediglich geeignet, Spätfolgen zu verhindern.
Methoden und Ergebnisse: Unter den konservativen Therapieformen ist unter anderem die isovolämische Hämodilution zu nennen, deren Wirksamkeit noch nicht als gesichert gilt. Lysetherapien wurden in zahlreichen Studien erfolgreich eingesetzt. Nebenwirkungen und Kontraindikationen limitieren diese Behandlungsmöglichkeit jedoch erheblich. Während die Laserbehandlung bei ischämischen Venenverschlüssen geeignet ist, vasoproliferative Spätkomplikationen zu verhindern, ist ihr Einsatz zur Funktionsverbesserung umstritten. Auch die Erzeugung chorioretinaler Anastomosen mit dem Laser hat zu unterschiedlichen Ergebnissen und nicht unerheblichen Komplikationen geführt. Die Rekanalisation der verschlossenen Venen durch Katheterisierung ist noch im Versuchsstadium. Die Entwicklung der Glaskörperchirurgie sowie die anatomische Situation im Bereich des Venenverschlusses mit einer gemeinsamen Adventitiahülle von Vene und Arterie im Kreuzungsbereich hat zu einem neuen, operativen Therapieansatz geführt: Der operativen Dekompression durch Spaltung der Adventitia. Erste Ergebnisse dieser Technik wurden veröffentlicht. Eigene Erfahrungen bestätigen die z.T. sehr guten Resultate anderer Untersucher.
Diskussion: Die operative Dekompression bei retinalen Venenastver- schlüssen stellt eine vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeit dar, insbesondere angesichts der begrenzten alternativen Therapiemöglichkeiten. Für eine endgültige Beurteilung sind jedoch grössere prospektive und kontrollierte Studien erforderlich.
Augenklinik der Bundesknappschaft, An der Klinik 10, D-66280 Sulzbach