K 526 Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
der Justus-Liebig-Universität Gießen, Friedrichstraße 18, D-35385
Gießen
C.-C. Zöller, H. Kaufmann
Hintergrund: Aplasien äußerer Augenmuskeln sind relativ selten. Es wird der Fall einer M. rect. lat. Aplasie vorgestellt.
Patient und Methoden: Ein gesunder 7-jähriger Junge wurde mit einer seit dem 1. Lebensmonat bestehenden Esotropie des rechten Auges vorgestellt. Es erfolgten klinisch orthoptische Untersuchungen und eine Kernspintomographie. Zur Korrektur der Schielstellung wurde eine Muskeltransposition nach Hummelsheim durchgeführt.
Ergebnisse: Das rechte Auge konnte nicht über die Mittellinie abduziert werden, das linke Auge 35°. Aus der Primärposition konnte das rechte Auge 20°, das linke Auge 15° gehoben werden. Im Abdecktest bestand eine Esotropie von 24° bei Rechts- und Linksfixation (RF/LF), die bei Auf- und Abblick gleich blieb. Außerdem bestand eine Hypertropie (+VD) von 14° (LF) ohne dissoziierte Komponente, die im Linksblick auf 21° zu- und im Rechtsblick auf 0° abnahm. Funduskopisch wurde beidseits eine Exzyklostellung von 5-10° geschätzt. Eine Retraktion bei horizontaler Blickwendung fiel nicht auf. Die axiale Bulbuslänge betrug rechts 25,2 mm, links 24,6 mm. Kernspintomographisch wurde eine Aplasie des rechten M. rect. lat. nachgewiesen. Intraoperativ war der rechte M. rect. lat. nicht auffindbar. Die übrigen inspizierten Muskeln inserierten regelrecht. Es wurde eine Transposition nach Hummelsheim durchgeführt. Acht Monate postoperativ bestand Orthotropie in Ferne und Nähe. Der alternierende Abdecktest ergab in Primärposition einen Restschielwinkel von +2° (RF/LF) mit einer +VD von 2°, die im Rechtsblick auf 1° ab-, im Linksblick auf 17° zunahm und ein V-Symptom von 8°. Stereopsis war nicht nachweisbar (Titmus Test). Der Bagolini-Lichtschweiftest war positiv.
Schlussfolgerung: Die angeborene Aplasie eines oder mehrerer äußerer Augenmuskeln ist eine Seltenheit, die als Differentialdiagnose zur angeborenen Abduzensparese bedacht werden muß.