98. Jahrestagung der DOG 2000
V 567
Astigmatismus nach transskleraler Hinterkammerlinsenimplantation bei Kleinkindern
H. Mittelviefhaus, K. Mittelviefhaus, J. Gerling
Einleitung: Nach der skleralen Fixation von Intraokularlinsen wurde bei Kindern ein hoher Astigmatismus beobachtet (1). Dieser Astigmatismus kann eine Amblyopie-behandlung beeinträchtigen. Wir haben untersucht, wie hoch der Astigmatismus ist und wie lange er bestehen bleibt, wenn bei einem lentektomierten Kind eine Hinterkammerlinse durch transsklerale Nähte fixiert werden muß.
Patienten und Methode: Zwischen April 1993 und April 1999 haben wir bei 8 Augen von 7 Kindern eine Hinterkammerlinse durch transsklerale Nähte fixiert (Alter 1 9/12 Jahr bis 7 7/12 Jahre (m = 3 2/12 Jahre). Der postoperative Astigmatismus wurde in den ersten 2 Monaten wöchentlich bzw. zweiwöchentlich, danach in monatlichen bis 1/4 jährlichen Intervallen skiaskopisch gemessen. Die Hornhautradien wurden mit einem automatischen Handkeratometer (Alcon) bestimmt. Die Nachbeobachtungszeit beträgt 8 Monate bis 6 9/12 Jahre (m = 2 8/12 Jahre, SD 2 2/12).
Ergebnisse: Unmittelbar nach der Operation betrug der induzierte Astigmatismus 2,5 bis 8,0 dpt (m = 4,78 dpt, SD 2,02). Der Astigmatismus bildete sich bei 4 Augen innerhalb von 4 Wochen und bei 1 Auge innerhalb von 16 Wochen bis auf Werte unter 0,75 dpt zurück. Bei 1 Auge ging der Astigmatismus in 8 Wochen bis auf 2,0 dpt zurück. Bei 2 Augen blieb der Astigmatismus unverändert bei 2,5 dpt bzw. 2,75 dpt. Nach 16 Wochen änderte sich der Astigmatismus bei keinem Auge mehr und blieb konstant bei 0,5 bis 2,75 dpt (m = 1,22 dpt, SD 0,93). Die Amblyopiebehandlung wurde unmittelbar nach der Operation wieder aufgenommen. Der Astigmatismus konnte bei allen Kindern mit einem Brillenglas korrigiert werden. Die Messungen der Hornhautradien belegten, daß der Astigmatismus korneal und nicht durch Kippung der Intraokularlinse bedingt war.
Diskussion: Bei lentektomierten Kindern mit Kontaktlinsenunverträglichkeit ist eine drohende Amblyopie durch die transsklerale Fixation einer Hinterkammerlinse zu verhindern (2). An einem kleinen Auge, das weder durch eine Hinterkapsel noch durch den Glaskörper stabilisiert wird, ist ein dichter Wundschluß allerdings nur unter in Kaufnahme eines Astigmatismus möglich. Unsere Untersuchungen zeigen, daß sich der postoperative Astigmatismus in der Regel rasch zurückbildet und die Amblyopiebehandlung nicht gefährdet. Ein Astigmatismus, der größer als 3 dpt ist, sollte unmittelbar postoperativ zur Hälfte im Brillenglas ausgeglichen werden. Wir empfehlen im folgenden Vierteljahr häufige skiaskopische Kontrollen, um das Brillenglas entsprechend nachkorrigieren zu können. Nach 16 Wochen kann die Vollkorrektur des Astigmatismus erfolgen.
- Sharpe MR, et al. (1996) Scleralfixation of posterior
chamber intraocular lenses in children. Ophthalmic Surgery and Lasers 27:
337-341
- Mittelviefhaus H, Mittelviefhaus K, Gerling J (2000)
Transscleral suture fixation of posterior chamber intraocular lenses in
children under 3 years. Graefe's Arch Clin Exp Ophthalmol 238:
Univ.-Augenklinik Freiburg, Killianstr. 5, D 79110 Freiburg
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