98. Jahrestagung der DOG 2000

P 568

Untersuchungen der Aktivierungsprozesse des humanen Ziliarmuskels unter dem Einfluss des Alters

T. Noack, S. Hartleib, P. Noack, A. Bacskulin, A. Wree, R. Guthoff

Einleitung: Die Akkomodationsfähigkeit des optischen Apparates ist mit zunehmendem Lebensalter stark verschlechtert (Presbyopie). Es spielt die mechanische Veränderung der Verformbarkeit der Linse eine große Rolle. Allerdings könnten auch Veränderungen der Erregbarkeit der glatten Muskulatur sowie der aktiven mechanischen Kräfte zusätzliche Faktoren für diese altersbedingte Veränderung darstellen.

Methods: Humane Ziliarmuskeln wurden bei routinemäßigen klinischen Enukleationen gewonnen (Pat. Alter zw. 1 und 83 J.). Der Ziliarmuskel wurde in feine Streifenpräparate geschnitten (4 bis 6) und die aktiven und passiven mechanischen Eigenschaften im Organbad untersucht.

Resultate: Acetylcholin (ACh) induzierte bei den Ziliarmuskeln eine lang anhaltende "tonische" Kontraktion (Halbmaximum [ACh = 10 m M]). Die aktive kontraktile Kraft war sehr gering im Vergleich zu der, die von anderen glattmuskulären Präparaten erzeugt wurde ( M. ciliaris: TACh max = 0.3 mN / mm2; Magen Fundus: TACh max = 15 mN / mm2). Desweiteren war weder durch extrazelluläre Erhöhung des Kaliums (20, 40, 80 mM) noch durch Stimulation des L-Typ Kalzium Kanal Agonisten BAY K 8644 (0.1, 1, 10 m M) der Muskel zu aktivieren. Somit spielen die elektrischen Aktivierungsprozesse an diesem Gewebe keine wesentliche Rolle. Histologische Färbungen der glattmuskulären Fasern zeigten nur schwache Färbung (2-3 % des Gesamtgewebes). Starke Färbung war beim Magen zu beobachten (95 %). Diese Werte passen gut zu dem Kontraktionswerten. Die experimentellen Werte der maximalen Kraftentwicklung pro Querschnittsfläche wurde mit dem Patientenalter korreliert. Aufgrund geringer intraindividueller und interindividueller Unterschiede von TACh max war die Korrelation gering (r = -0.24) und nicht signifikant.

Diskussion: Die Ergebnisse belegen somit nicht, dass Presbyopie durch eine Dysfunktion des Ziliarmuskels bedingt wird.


Institut für Physiologie, Universität Rostock, Gertrudenstraße 9, 18055 Rostock


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