98. Jahrestagung der DOG 2000
R 569
Akkommodatives Linsenimplantat
P.-R. Preußner, J. Wahl
Hintergrund: Bisherige Ansätze, die Akkommodationsfähigkeit nach Kata-rakt-Operation wiederherzustellen, bezogen sich entweder auf die Verwen-dung von injizierbaren, gallertartigen Flüssigkeiten oder auf Linsen, die über Scharnierhaptiken nach vorne verschoben werden sollten, wenn die Zonulaspannung nachließ. Beide Verfahren funktionieren nicht bei Kapsel-sackschrumpfung bzw. -Fibrose. Bisher ist aber kein Verfahren bekannt, das letztere zuverlässig verhindert.
Methode: Wir verwenden als Akkommodationsmechanismus die Verschie-bung der gesamten, möglicherweise fibrosierten Kapsel nebst Inhalt (IOL) nach vorne, wenn die Zonulafasern durch Kontraktion des Ziliarmuskels nachgeben. Die (bezogen auf die optische Achse) radiale Bewegung der Zonulae wird dabei berührungsfrei durch ein äußeres, magnetisches Kraft-feld in eine axiale umgelenkt. Das Feld wird durch winzige Permanent-magnete erzeugt, von denen sich zwei im Kapselsack und vier unter den vertikalen Augenmuskeln befinden, wobei die Polarisierung so gewählt ist, daß sich innere und äußere Magnete abstoßen.
Ergebnisse: Mit Hilfe einer Computersimulation wurden alle relevanten physikalischen Effekte erfaßt. Es zeigte sich, daß der gewählte Ansatz recht unempfindlich ist gegenüber Variationen folgender Parameter um einen Faktor zwei oder sogar mehr: Magnetfeldstärke, Federkonstante der Zonulae, Abstände und Winkelfehler der Magnete zueinander. 2-3dpt Akkommodationsbreite erscheinen realisierbar. Erste Modellimplantate wurden daher im Februar 2000 angefertigt. Der im September 2000 erreichte Entwicklungsstand wird präsentiert.
Schlußfolgerung: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint der gewählte Ansatz mit überschaubarem Entwicklungs- und vertretbarem chirurgischem Aufwand realisierbar.
Universitäts-Augenklinik, Langenbeckstr. 1, D-55101 Mainz
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