98. Jahrestagung der DOG 2000

VV 57

Tiefe Sklerektomie, Innenwandpräparation des Schlemm`schen Kanals und intraoperativer Fluorescein-Test

F. J. Rentsch

Einleitung: Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Kammerwasserabfluß nach tiefer Sklerektomie und Mikropräparation der Kanalinnenwand durch einen Fluorescein-Test darzustellen.

Methoden: Vor Beginn der Mikropräparation wird die Durchlässigkeit des Trabekelwerkes und der angrenzenden peripheren Hornhaut durch einen Fluoresceintropfen (Fluorescein-Dinatrium SE®) grob quantitativ geprüft (Fluorescein-Test 1). Nach mikrochirurgischer Ausdünnung der Kanalinnenwand (Video) wird der Fluorescein-Test wiederholt (Fluorescein-Test 2)

Ergebnisse: Der Fluorescein-Test zeigt, wo Kammerwasser abfließt. Er verdeutlicht, daß kein Kammerwasser durch die Descemet'sche Membran austritt, solange dort keine Mikroperforationen gesetzt wurden. Die Kanalinnenwand wird nach Mikropräparation durchlässiger. Mikroperforationen führen zu einem scharf begrenzten, sehr aktiven Quellpunkt, während das ausgedünnte Trabekelwerk einen langsameren und fleckförmig bis diffusen Kammerwasserdurchtritt erkennen läßt (Video). Der Kammerwasserabfluß steigt bei Druckerhöhung an. Bei hochgradig pathologischem Trabekelwerk kann trotz Ausdünnung der Kanalinnenwand der Kammerwasserabfluß vollkommen unterbleiben. Hier ist das Setzen von Mikroperforationen erforderlich. Der intraoperative Einsatz von Fluorescein-Dinatrium SE® hat bisher zu keinen vermehrten Reizzuständen oder postoperativen Wundheilungsstörungen geführt.

Diskussion: Die Mikropräparation der Kanalinnenwand ist geeignet, das dort liegende Widerstandspotential abzubauen und den Kammerwasserabfluß ohne grobe Eröffnung der Vorderkammer wiederherzustellen. Dies läßt sich durch den intraoperativen Fluorescein-Test zeigen, der einen groben Überblick über die Abflußkapazität ermöglicht. Eine breite Freilegung der Descemet'schen Membran ist nicht erforderlich, da dort kein Kammerwasserdurchtritt nachweisbar war.

Der intraoperative Fluorescein-Test kann klinisch als ungefährlich angesehen werden, wenn keine Allergien gegen die Bestandteile der Lösung vorliegen.

Direktor der Augenklinik, St.-Vincentius-Krankenhäuser, Steinhäuserstr. 18, D-76135 Karlsruhe



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