98. Jahrestagung der DOG 2000

V 60

Mögliche Abflußmechanismen nach der tiefen Sklerektomie

K. E. Kotliar, M. Mertz, I. M. Lanzl

Einleitung: Die positive Ergebnisse von Behandlung der Kammerwasser-abflußstörungen mit Hilfe der tiefen Sklerektomie und einigen solchen Operationen (wie z.B. die Viskokanalostomie) haben die theoretische Begründung erfordert. Damit könnte man die klinische Daten dieser Operation erklären und auch einige Empfehlungen geben, um die Operationswirkung effektiver zu machen. Mit Hilfe früher von uns erarbeiteter biomechanischer und mathematischer Modelle des Kammerwasserabflußsystems versuchten wir die mögliche Menge des durch die denkbaren postoperativen Abflußwege fließenden Kammerwassers zu berechnen.

Methoden: Es wurde ein biomechanisches Modell zur Berechnung und Bewertung der Koeffizienten der Kammerwasserabflußfazilität durch die denkbaren postoperativen Abflußwege entwickelt.

Ergebnisse: Der Abfluß des Kammerwassers (~2.2mm3/min) nach erfolgreicher tiefer Sklerektomie besteht grundsätzlich auf sechs möglichen Komponenten: 1) durch den operativ neu angelegten Zugang in den Schlemm’schen Kanal hinein und über diesen in das episklerale Venensystem (<0.42mm3/min, Falls Viskoelastikums im Lumen des Kanals, bei halber Füllung des Durchmessers: <0.06mm3/min); 2) über den uveoskleralen Abfluß (~0.18mm3/min); 3) durch den neu geschaffenen Skleradeckel per diffusionem (~0.03mm3/min); 4) unbeabsichtigt in einen subkonjunktivalen Raum; 5) durch den Trabekelwerk außerhalb des operativ neu geschaffenen Hohlraums („Skleralsee") in den Schlemm’schen Kanal; 6) durch Wasservenen, die während der Operation auf dem Deckel von „Skleralsees" geöffnet wurden (~0.91mm3/min).

Diskussion: Laut unseren Berechnungen ergibt sich, daß das Hauptvolumen des Kammerwassers bei der Operation nicht wie bisher angenommen nur durch den Schlemm’schen Kanal abfließen kann. Wir nehmen an, daß der größte Anteil durch den skleralen Deckel und die dort angeschnittenen Sammelkanälchen abfließen muß. Dies sollte bei zukünftigen Modifizierungen der Operationstechnik berücksichtigt werden.

Augenklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Ismaninger Str. 22, D-81675 München



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