98. Jahrestagung der DOG 2000

V 601

Alkoholinduzierte Hornhautendothelveränderungen: Vergleich von Morphologie und Razemisierungsgrad von Asparaginsäure

G. Grütters1, J. A. Reichelt1, S. Ritz-Timme2, B. Nölle 1

Hintergrund: In dem Spenderkollektiv unserer Hornhautbank fielen bei Spendern mit Alkoholanamnese qualitativ schlechtere Hornhäute auf: Ausgehend von den Bestimmungen der Alkoholkonzentration in Blut, Urin, Kammerwasser (KW) und Glaskörperflüssigkeit (GKF) bei einer durch Alkoholintoxikation verstorbenen Patientin führten wir diesbezüglich in-vitro Versuche an Human- und Schweinehornhäuten durch.

Methode: Diese wurden bei 37°C in routinemäßig verwendetem Kulturmedium gelagert, dem Alkohol in verschiedenen Konzentrationen (1, 2, 3 und 4‰) zugesetzt wurde. Im Verlauf der Kultivierung über 4 Wochen wurden die Morphologie des Endothels und der Razemisierungsgrad von Asparaginsäure in stromalen Proteinen bestimmt. Der Razemisierungsgrad diente hierbei als biochemischer Parameter von möglichen alkoholinduzierten Qualitätsveränderungen der Hornhaut.

Ergebnisse: Bei der verstorbenen 53-jährigen Alkoholikerin fanden sich im Blut Alkoholkonzentrationen von 4,13‰, in Urin 4,40‰, im KW 3,73‰ und in GKF 4,11‰. Das Hornhautendothel wies bei einer Zelldichte von 2240 Zellen/mm2 zahlreiche Polymorphien mit einem insgesamt unregelmäßigem Zellbild und reichlich Descemet-Falten auf. Bei den in-vitro Versuchen zeigte sich, daß die Abnahme der Endothelzellzahl abhängig von der Menge des zugesetzten Alkohols war. Eine ‰-abhängige Veränderung des Razemisierungsgrades von Asparaginsäure ließ sich nicht nachwiesen, wenngleich der Razemisierungsgrad deutlich von der Norm abwich.

Schlußfolgerung: Post mortem lassen sich in KW und GKF sehr hohe Alkohlkonzentrationen nachweisen, die offensichtlich auch eine direkte toxische Wirkung auf das Hornhautendothel haben können. Durch die Bestimmung des Razemisierungsgrades von Asparaginsäure in cornealen Proteinen ließ sich eine vorzeitige Proteinalterung/ Degradation nachweisen.

1Klinik für Ophthalmologie der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Hegewischstraße 2, D-24105 Kiel;

2Institut für Rechtsmedizin der Christian-Albrechts-Universität Kiel,

Ald-Heller-Straße 12, D-24105 Kiel 




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