V 618 1,2
Einleitung: Ziel der Studie ist es, sozioökonomische Einflussfaktoren auf die Einwilligungshäufigkeit von Angehörigen zur Hornhautspende zu untersuchen.
Methoden: In einer prospektiven Untersuchung wurden 94 Einwilligungsgespräche der Hornhautbank der Ludwig-Maximilians-Universität München mit Angehörigen potentieller Hornhautspender untersucht. Analysiert wurde der Einfluss verschiedener sozioökonomischer Faktoren auf die Ablehnungshäufigkeit.
Ergebnisse: Von 94 in einem Zeitraum von 3 Monaten geführten Gesprächen wurden 56 Zustimmungen (60%) und 22 (23%) Ablehnungen erhalten. In 16 Fällen (17%) waren die Angehörigen nicht erreichbar. Es zeigte sich eine tendenziell erhöhte Einwilligungswahrscheinlichkeit von 82% bei Spendern mit versus ohne (71%) Hochschulbildung. Bei dem Faktor Familienstand stimmten die Angehörigen geschiedener Spender häufiger zu (88%) als die von ledigen (62%). Die Untersuchung des Wohnortes des Spenders zeigte, dass die Zustimmungsrate aus dem Stadtgebiet München (75%) höher war als bei Spendern aus dem Münchner Umland (54%). Umgekehrt stimmten Angehörige aus dem Münchener Umland der Entnahme häufiger zu (Wohnort des Angehörigen). Es besteht eine erhöhte Spendebereitschaft bei Suiziden (93%) im Gegensatz zu natürlichen Todesfällen (75%) und Verkehrsunfällen (71%) (Todesursache). Volljährige Kinder (83%) und Ehegatten (78%) stimmten einer Hornhautspende häufiger zu als Eltern der Verstorbenen (60%) (Verwandschaftsverhältnis).
Zusammenfassung: Sozioökonomische Faktoren wie Ausbildungsstand, Familienstand und Wohnort, aber auch situative Faktoren wie die Todesursache des potentiellen Organspenders spielen eine wesentliche Rolle für die Bereitschaft der Angehörigen zur Hornhautspende. Diese epidemiologische Betrachtung soll -gerade im Hinblick auf die Aufklärung der Angehörigen- dazu beitragen, die Zahl der geeigneten Hornhäute -im Einklang mit dem Transplantationsgesetz- wieder steigen zu lassen.
1Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, Frauenlobstr. 7a, D - 80337 München; 2Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, Mathildenstr. 8, D - 80336 München