V 728
J. de Brabander, G. Marin, N. Chateau, P. Artal, P. H. van Goinga
Einleitung: Viele Patienten klagen, trotz guten Snellen-Visus, über visuelle Probleme. In diesen Fällen sind Kontrastempfindlichkeitsfunktion (CS) und Visuelle Selektivität (VS) oft beeinträchtigt. Beispiele sind Patienten mit Katarakt und Kontaklinsenträger, besonders bei hoher Ametropie und Presbyopie. Weil Kontaktlinsen signifikante optische Aberrationen introduzieren können, ist es wichtig, zu untersuchen, ob aberrationsfreie und varifokale Kontaktlinsen die visuellen Funktionen verbessern können.
Methoden: Die CS wurden mit normalen sphärischen Kontaktlinsen und mit für sphärische Aberration korrigierten Kontaktlinsen gemessen und verglichen. Weiter wurde die visuelle Funktion in Ferne und Nähe von varifokalen Kontaktlinsen mit unterschiedlichen optischen Profilen verglichen. Die Ergebnisse beider Studien wurden benutzt, um Erklärungen für typische visuelle Beschwerden trotz guten Snellen-Visus zu finden.
Ergebnisse: Eine generelle Korrektur der sphärischen Aberration hat keinen klinische Wert. In 30% der Fälle aber, war die CS allein durch das Tragen einer Kontaktlinse signifikant höher. Bei varifokalen Kontaktlinsen erwies sich das optische Profil als ein signifikanter Faktor für das Sehen in der Ferne. Entscheidend für das Sehen in der Nähe ist das Grössenverhältnis der Wirkungsbereiche für Nähe und Ferne in Zusammenhang mit dem Pupillendurchmesser.
Diskussion: Höhere visuelle Funktionen wie CS und VS sind individuell. Die Manipulierung der optische Flächen und Profile der Kontaktlinse ermöglicht es im Prinzip, diese Funktionen positiv zu beeinflussen. Jedoch benötigt man dazu ein Rechenverfahren, um Messdaten des Auges in das Design der Linsen einfließen zu lassen, und ein Herstellungsverfahren, um daraus die individuelle Linse anfertigen zu können. Das EC-subsidierte CLAAS-Projekt untersucht Möglichkeiten, um Kontaktlinsen aus topographischen Daten und optischen Aberrationswerten des Auges zu gestalten und herzustellen.
Eye Research Institute Maastricht,
AZM, Universität Maastricht,
Postfach 5800, NL-6202 AZ Maastricht, Niederlande